Zwischen Show und Realität

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Sunset von Joey Goebel wirkt zunächst wie ein klassischer Roman über Wrestling, erzählt aber eigentlich viel mehr über Identität, Selbstinszenierung und den Druck, ständig funktionieren zu müssen. Im Mittelpunkt steht der Wrestler Auggie Schnuck, der beruflich erfolgreich ist, privat aber immer stärker mit sich selbst und seiner Rolle kämpft. Besonders interessant ist dabei, wie der Roman zeigt, dass im Wrestling zwar die Kunstfigur im Vordergrund steht, der Mensch dahinter jedoch oft verloren geht.
Goebel schafft es, die Welt des Wrestlings gleichzeitig laut, überzeichnet und erstaunlich melancholisch wirken zu lassen. Hinter den Shows, den Kämpfen und den Inszenierungen steckt eine gewisse Einsamkeit, die sich durch das gesamte Buch zieht. Gerade Auggie wirkt dabei sehr authentisch, weil er keine typische Heldenfigur ist. Seine Selbstzweifel und der ständige Konflikt zwischen öffentlicher Rolle und Privatleben machen ihn zu einer vielschichtigen Figur.
Der Schreibstil ist direkt und intensiv, teilweise auch trocken-humorvoll, wodurch selbst absurde Situationen glaubwürdig bleiben. Die Zeitsprünge erfordern manchmal etwas Aufmerksamkeit, lassen sich durch die klare Kennzeichnung der Kapitel aber gut nachvollziehen. Auch Leserinnen und Leser, die mit Wrestling wenig anfangen können, dürften Gefallen an dem Buch finden, da der Roman weit über das Thema Sport hinausgeht und interessante Einblicke in den Umgang mit Erfolg, Erwartungen und Selbstbildern gibt.