Abschließen mit einer Gewalttat?
Als James/Jimmy Maguire nach 18 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, packt Bridget/Birdie Keller ihre Waffe ein und bittet ihre Schwiegermutter Wilma, für ein paar Tage ihre Kinder zu versorgen. James soll als Jugendlicher Birdies Schwester Providence Doyle ermordet haben, hat die Tat aber nie gestanden und im Gerichtsprozess keine Reue gezeugt. Das Urteil fiel wegen Totschlag und Jimmys Unfähigkeit zu Gefühlen. Birdie ist entschlossen, den Mann auszulöschen, weder Haft noch Therapie genügen ihrer Überzeugung nach als Reaktion auf die brutale Tat. Als sie vor der Haftanstalt auf Jimmys Entlassung wartet, muss sie verblüfft feststellen, dass er von einer dunkelhaarigen, sehr jungen Frau abgeholt wird.
Emma Stonex‘ Figuren waren einander in der Kindheit vertraut. Jimmy wuchs mit vier Brüdern auf, „die Maguires“ waren eine berüchtigte Bande, denen jede Untat spontan zugetraut wurde. Da seine Mutter Maeve sich nie mütterlich verhielt und er sich der Vaterschaft des „Mister“ im Haushalt nie sicher war, teilt er mit Birdie und Providence das Schicksal verwaister Kinder. Die Schwestern waren von ihrer Mutter wie ein Gepäckstück bei ihrer Großmutter abgestellt worden – und Birdie hatte zu ihrer Schwester eine besonders enge Beziehung. Oma Violet/Gamma betreut ihre Enkelinnen beinahe klischeehaft, überzeugt, Kinder müssten umsorgt und beschützt werden.
Jeweils aus der Ichperspektive berichten Jägerin und Gejagter aus ihrer Kindheit. Ergänzt wird diese Sicht durch nicht abgeschickte Briefe Jimmys, den Blick einer neutralen Erzählstimme und der denkbaren Perspektive der jungen Donna. Jimmys Geschichte erzählt von seiner Haft in drei Strafanstalten; beide Figuren leben jeweils mit einer persönlichen und einer öffentlichen Version der Ereignisse. Stellt sich die Frage, ob es eine weitere Version gibt und wie damals die überraschend enge Beziehung zwischen den Maguires und den Doyles entstand, die die Tat rückblickend besonders verwerflich erscheinen lässt. Die episodenhaft erzählten Ereignisse zwischen 1963 und 1989 wirken sprachlich karg und lassen vermuten, dass auch Jimmys Verhör und Gerichtsverfahren sprachlich eher schlicht ausgefallen sind.
Fazit
In Emma Stonex‘ „Sunshine Man“ geht es um Sozialwaisen, deren Wege sich auf fatale Art kreuzen, um die Frage, welchen Einfluss Haft und Therapie auf die Unfähigkeit haben, moralische Werte zu erkennen, und nicht zuletzt darum, wie ein Gerichtsverfahren Angehörigen einer ermordeten Person das Abschließen mit der Tat ermöglicht. Ihrem Thema nähert sich Stonex episodenhaft, zwischen sich widersprechenden Versionen der Tat wechselnd. Ein erschütternder, sozialkritischer Roman, dessen entscheidende Szenen sicher nicht zufällig am Ende der Thatcher-Ära spielen.
Emma Stonex‘ Figuren waren einander in der Kindheit vertraut. Jimmy wuchs mit vier Brüdern auf, „die Maguires“ waren eine berüchtigte Bande, denen jede Untat spontan zugetraut wurde. Da seine Mutter Maeve sich nie mütterlich verhielt und er sich der Vaterschaft des „Mister“ im Haushalt nie sicher war, teilt er mit Birdie und Providence das Schicksal verwaister Kinder. Die Schwestern waren von ihrer Mutter wie ein Gepäckstück bei ihrer Großmutter abgestellt worden – und Birdie hatte zu ihrer Schwester eine besonders enge Beziehung. Oma Violet/Gamma betreut ihre Enkelinnen beinahe klischeehaft, überzeugt, Kinder müssten umsorgt und beschützt werden.
Jeweils aus der Ichperspektive berichten Jägerin und Gejagter aus ihrer Kindheit. Ergänzt wird diese Sicht durch nicht abgeschickte Briefe Jimmys, den Blick einer neutralen Erzählstimme und der denkbaren Perspektive der jungen Donna. Jimmys Geschichte erzählt von seiner Haft in drei Strafanstalten; beide Figuren leben jeweils mit einer persönlichen und einer öffentlichen Version der Ereignisse. Stellt sich die Frage, ob es eine weitere Version gibt und wie damals die überraschend enge Beziehung zwischen den Maguires und den Doyles entstand, die die Tat rückblickend besonders verwerflich erscheinen lässt. Die episodenhaft erzählten Ereignisse zwischen 1963 und 1989 wirken sprachlich karg und lassen vermuten, dass auch Jimmys Verhör und Gerichtsverfahren sprachlich eher schlicht ausgefallen sind.
Fazit
In Emma Stonex‘ „Sunshine Man“ geht es um Sozialwaisen, deren Wege sich auf fatale Art kreuzen, um die Frage, welchen Einfluss Haft und Therapie auf die Unfähigkeit haben, moralische Werte zu erkennen, und nicht zuletzt darum, wie ein Gerichtsverfahren Angehörigen einer ermordeten Person das Abschließen mit der Tat ermöglicht. Ihrem Thema nähert sich Stonex episodenhaft, zwischen sich widersprechenden Versionen der Tat wechselnd. Ein erschütternder, sozialkritischer Roman, dessen entscheidende Szenen sicher nicht zufällig am Ende der Thatcher-Ära spielen.