Spannende Milieustudie
Schon der erste Satz des Romans setzt ein Zeichen: "Die Woche, in der ich einem Mann in den Kopf schoss, fing ganz normal an."
Normal ist hier aber gar nichts, denn die Ich- Erzählerin Birdie hat 18 Jahre lang voller Hass und Grimm darauf gewartet, um den Mörder ihrer Schwester sofort nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hinzurichten.
Als sie die Nachricht seiner Freilassung bekommt, verlässt sie ihr zuhause mit Mann und Kindern, denen sie eine magere Nachricht hinterlässit und macht sich unverzüglich auf den Weg, ihren lang gefassten Plan in die Tat umzusetzen.
Was sich anfangs wie ein Krimi liest, verändert sich bald zu einer vielschichtigen Sozialstudie. Die Geschichte wechselt bald zwischen der Jetzt- Zeit in den frühen Neunzigern und der Vergangenheit, als Birdies geliebte Schwester Providence noch am Leben war.
Die Hintergründe der beiden durch unerwartete Freundschaften, Mitleid, Missverständnissen und Neugier unfreiwillig verbundenen Familien- Birdie mit ihrer Schwester, die bei ihrer Grossmutter aufwächst und die Mcguires, einer sozial schwachen Großfamilie,- werden in Episoden beleuchtet, die sich nach und nach zu einem Ganzen zusammenfügen.
Beide Familien sind durch ihre Vorgeschichte stark belastet: Birdie und Providence wurden beide von ihrer flatterhaften Mutter bei der Grossmutter im wahrsten Sinn des Wortes abgelegt, während der Clan der Mcguires von Alkoholismus, Gewalttätigkeit des Vaters, Arbeitslosigkeit und Kriminalität geprägt ist.
Hier ist der Autorin eine intensive Milieustudie des Englands der Nachkriegszeit gelungen und vermittelt fast so etwas wie Verständnis für den Veurteilten Jimmy Mcguire, der sich über Strecken aus dem Griff seiner kriminellen Familie zu lösen versucht.
Seine Geschichte wird über lange Strecken mittels alter Protokolle seiner Gefängnistherapie, Tagebucheinträgen und Briefe an seine Tochter erzählt, was für mich auch trotz der intensiven Sprache ein paar Längen aufwies. Seine Ausdrucksweise ist (gewollt) oft schwer verständlich und ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in diesen Stil einzufinden.
Durch den Wechsel der Erzählperspektiven und Zeiten baut der Roman eine immer stärkere Spannung auf und führt mit wiederkehrenden Verweisen auf eine bestimmte Person auf eine falsche Fährte, was zu einem sehr spannenden Finale führt.
Ich hatte mir zuerst beim Lesen ein anderes Ende gewünscht, aber nach einigem Nachdenken ist es genau so richtig, wie es ist.
Was mir im Roman gefehlt hat, ist ein stärkeres Herausarbeiten von Birdies Mann und Kindern. Sie scheint sie wirklich zu lieben, aber der 18 Jahre lang gehütete Groll lässt alles verblassen- jahrelange Ehe, zwei süße Kinder? Lässt man das wirklich komplett hinter sich, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden? Natürlich kann ich das nicht beurteilen, ohne jemals in so einer Situation gewesen zu sein (Gott bewahre, dass ich sowas je erleben muss!), aber ich bin jedenfalls ein bisschen darüber gestolpert.
Mein Fazit:
ein sehr lesenswertes Buch über Schuld, Sühne, Vergebung, Rache, Familie und was sie bedeuten kann, auf das man sich aber einlassen muss, besonders was die Tagebuch- und Therapiepassagen des angeblichen Mörders und seiner langen Reise betreffen.
Normal ist hier aber gar nichts, denn die Ich- Erzählerin Birdie hat 18 Jahre lang voller Hass und Grimm darauf gewartet, um den Mörder ihrer Schwester sofort nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hinzurichten.
Als sie die Nachricht seiner Freilassung bekommt, verlässt sie ihr zuhause mit Mann und Kindern, denen sie eine magere Nachricht hinterlässit und macht sich unverzüglich auf den Weg, ihren lang gefassten Plan in die Tat umzusetzen.
Was sich anfangs wie ein Krimi liest, verändert sich bald zu einer vielschichtigen Sozialstudie. Die Geschichte wechselt bald zwischen der Jetzt- Zeit in den frühen Neunzigern und der Vergangenheit, als Birdies geliebte Schwester Providence noch am Leben war.
Die Hintergründe der beiden durch unerwartete Freundschaften, Mitleid, Missverständnissen und Neugier unfreiwillig verbundenen Familien- Birdie mit ihrer Schwester, die bei ihrer Grossmutter aufwächst und die Mcguires, einer sozial schwachen Großfamilie,- werden in Episoden beleuchtet, die sich nach und nach zu einem Ganzen zusammenfügen.
Beide Familien sind durch ihre Vorgeschichte stark belastet: Birdie und Providence wurden beide von ihrer flatterhaften Mutter bei der Grossmutter im wahrsten Sinn des Wortes abgelegt, während der Clan der Mcguires von Alkoholismus, Gewalttätigkeit des Vaters, Arbeitslosigkeit und Kriminalität geprägt ist.
Hier ist der Autorin eine intensive Milieustudie des Englands der Nachkriegszeit gelungen und vermittelt fast so etwas wie Verständnis für den Veurteilten Jimmy Mcguire, der sich über Strecken aus dem Griff seiner kriminellen Familie zu lösen versucht.
Seine Geschichte wird über lange Strecken mittels alter Protokolle seiner Gefängnistherapie, Tagebucheinträgen und Briefe an seine Tochter erzählt, was für mich auch trotz der intensiven Sprache ein paar Längen aufwies. Seine Ausdrucksweise ist (gewollt) oft schwer verständlich und ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in diesen Stil einzufinden.
Durch den Wechsel der Erzählperspektiven und Zeiten baut der Roman eine immer stärkere Spannung auf und führt mit wiederkehrenden Verweisen auf eine bestimmte Person auf eine falsche Fährte, was zu einem sehr spannenden Finale führt.
Ich hatte mir zuerst beim Lesen ein anderes Ende gewünscht, aber nach einigem Nachdenken ist es genau so richtig, wie es ist.
Was mir im Roman gefehlt hat, ist ein stärkeres Herausarbeiten von Birdies Mann und Kindern. Sie scheint sie wirklich zu lieben, aber der 18 Jahre lang gehütete Groll lässt alles verblassen- jahrelange Ehe, zwei süße Kinder? Lässt man das wirklich komplett hinter sich, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden? Natürlich kann ich das nicht beurteilen, ohne jemals in so einer Situation gewesen zu sein (Gott bewahre, dass ich sowas je erleben muss!), aber ich bin jedenfalls ein bisschen darüber gestolpert.
Mein Fazit:
ein sehr lesenswertes Buch über Schuld, Sühne, Vergebung, Rache, Familie und was sie bedeuten kann, auf das man sich aber einlassen muss, besonders was die Tagebuch- und Therapiepassagen des angeblichen Mörders und seiner langen Reise betreffen.