Stille Strömung

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Das Cover von Tage am Fluss hat mich sofort angezogen: Die Frau im Wasser, das schimmernde Licht und die kräftigen Farben wirken ruhig und sinnlich, aber nicht idyllisch. Es liegt etwas Suchendes darin, etwas Schwebezuständiges – als würde die Geschichte genau zwischen Rückzug und Aufbruch beginnen.
Die Leseprobe hat mich durch ihre dichte, atmosphärische Sprache schnell eingefangen. Jochen Mariss erzählt sehr bildhaft von Sara Harmsen, die mit ihrer Fähre, ihrem Hund Luna, ihren Hühnern und dem Fluss in einer eigenen, fast abgeschotteten Welt lebt. Diese Welt wirkt auf den ersten Blick friedlich, doch darunter liegen Härte, Einsamkeit, alte Wunden und ein ständiger Kampf gegen das, was von außen eindringt.
Besonders stark finde ich Sara als Figur: eigenwillig, verletzlich, misstrauisch und zugleich tief verbunden mit ihrem Land, dem Fluss und den Tieren. Schon die Szene mit dem verletzten Huhn zeigt, wie nah Fürsorge und Schmerz bei ihr beieinanderliegen. Auch die Bedrohung durch den sinkenden Wasserstand und die geplante Brücke verleiht der Geschichte eine leise, aber spürbare Spannung.
Als Leon auf der Fähre auftaucht, verletzt, erschöpft und offensichtlich auf der Flucht vor etwas, verändert sich die Atmosphäre sofort. Ich würde das Buch sehr gerne weiterlesen, weil die Leseprobe einen eindringlichen Roman über Natur, Widerstand, Verletzlichkeit und unerwartete Begegnungen verspricht – rau, menschlich und voller innerer Spannung.