Die Fährfrau und der Waldbesetzer
Das Buch hat mich schon mit dem zweiten Satz eingefangen, in dem die "Sinfonie der frühen Stunde" beschrieben wird. Der Autor - es ist der Jochen Mariss, den ich durch seine wunderbaren Grafiken und Gedichte kennen- und schätzen gelernt habe - nimmt sich in seinem Romandebüt zunächst angenehm viel Zeit, uns in aller Ruhe die Hauptdarstellerin vorzustellen: Sara Harmsen lebt allein mit ihren Tieren am Rande eines Dorfs. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Fährfrau in vierter Generation. Bedroht wird das durch Niedrigwasser wie durch Pläne für einen Brückenbau. Eines Tages sucht Leon bei der eigenbrötlerischen Sara Schutz vor der Polizei, die ihn nach der Besetzung eines von der Abholzung bedrohten Waldstücks sucht. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich den Fortgang der Geschichte auszumalen. Trotz dieser Vorhersehbarkeit überzeugt mich das Buch durch Sprache, Figuren und Thematik.