Eine Geschichte über Menschen, Natur und Verantwortung

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Das Hörbuch "Tage am Fluss" von Jochen Mariss ist ein bewegender Roman, der als Hörbuch von Heike Warmuth und Nils Kretschmer wunderbar zum Leben erweckt wird. Es handelt sich um das Romandebüt des Autors und für mich ist es ein rundum gelungener Einstieg, der Lust auf weitere Geschichten aus seiner Feder macht.
Besonders gut gefallen hat mir die Entscheidung, die Geschichte von zwei Sprechern lesen zu lassen. Da der Roman abwechselnd aus der Sicht von Sara und Leon erzählt wird, passen Heike Warmuth und Nils Kretschmer hervorragend zu den beiden Figuren. Beide verleihen ihren Charakteren viel Persönlichkeit und Emotion, sodass ich mich sofort in die Geschichte hineinversetzen konnte. Die wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für Abwechslung und machen das Hörbuch besonders lebendig.
Im Mittelpunkt steht Sara, die als Fährfrau zurückgezogen mit ihren Tieren am Fluss lebt. Ihr ruhiges Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als der verletzte Leon auf ihrer Fähre auftaucht. Sie nimmt ihn bei sich auf und nach und nach entsteht zwischen den beiden eine vorsichtige Verbindung. Gemeinsam stellen sie sich den Verletzungen ihrer Vergangenheit und kämpfen gleichzeitig für den Erhalt der Natur, als eine geplante Brücke ihre Heimat und Saras Existenz bedroht. Die Ereignisse werden zusätzlich durch die zunehmenden Wetterextreme immer dramatischer.
Jochen Mariss schreibt ruhig, einfühlsam und sehr bildhaft. Besonders die Naturbeschreibungen haben mir ausgesprochen gut gefallen. Der Fluss, die Tiere und die ländliche Umgebung werden so lebendig beschrieben, dass ich alles direkt vor Augen hatte. Gleichzeitig greift der Autor Themen wie Naturschutz, Klimawandel, Verlust, Schuld und Hoffnung auf, ohne dabei belehrend zu wirken. Stattdessen erzählt er eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und lange nachklingt.
Sara und Leon sind zwei Figuren, die mir schnell ans Herz gewachsen sind. Beide tragen ihre eigenen Wunden mit sich herum und entwickeln sich im Laufe der Geschichte glaubwürdig weiter. Ihre vorsichtige Annäherung wirkt authentisch und niemals überstürzt. Gerade diese leisen Zwischentöne machen den Roman so besonders.
Für mich war "Tage am Fluss" ein berührendes und atmosphärisches Hörerlebnis, das mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Die harmonische Kombination aus der poetischen Geschichte und den beiden hervorragenden Sprechern macht dieses Hörbuch zu etwas ganz Besonderem. Ich habe jede Minute genossen und vergebe sehr gerne fünf von fünf Sternen. Wer ruhige, tiefgründige Romane mit starken Figuren und einer eindrucksvollen Naturkulisse liebt, sollte dieses Hörbuch unbedingt hören. Ich freue mich schon sehr auf weitere Werke von Jochen Mariss.