Eine ruhige, berührende Geschichte

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„Die Seele lüften, den Blick weiten.“ Treffender könnte der Leitspruch zu Tage am Fluss von Jochen Mariss kaum sein. Dieses Buch erzählt keine spektakuläre Geschichte und genau darin liegt seine Stärke.

Wir begleiten Sara durch einen kleinen Abschnitt ihres Lebens. Geprägt von einer schweren Kindheit mit einem gewalttätigen Vater und dem frühen Verlust ihres Bruders hat sie sich ein stilles Leben aufgebaut. Zwischen Hühnern, Schafen und ihrem Hund lebt sie zurückgezogen auf ihrem „grünen Mond“ und lässt kaum jemanden an sich heran.

Dann tritt Leon in ihr Leben, deutlich jünger, voller Idealismus und mit großem Engagement für Umwelt- und Naturschutz. Langsam beginnt Sara, ihr Schneckenhaus zu verlassen. Besonders schön fand ich ihre Entwicklung: Anfangs wirkt sie verschlossen, grüblerisch und erinnert in manchen Zügen an ihren Vater, obwohl sie nie so werden wollte. Schritt für Schritt findet sie ihren eigenen Weg.

Das Buch greift Themen auf, die aktueller kaum sein könnten, ohne dabei belehrend zu wirken. Stattdessen lädt es dazu ein, innezuhalten, den Blick zu weiten und einfach einen Moment durchzuatmen.

Für mich war Tage am Fluss kein Lesehighlight und auch kein Page-Turner. Es hat mich nicht mitgerissen, aber dennoch auf eine leise Art berührt. Die ruhige Erzählweise passt perfekt zur Geschichte und macht ihren besonderen Charme aus. Das offene Ende lässt Raum für eigene Gedanken und Möglichkeiten und genau das bleibt am Ende noch lange im Kopf. Wer ruhige, nachdenkliche Geschichten mit viel Atmosphäre mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.