Entschleunigend

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readaholic Avatar

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Sara Harmsen ist Fährfrau mit Leib und Seele. Seit Generationen transportiert ihre Familie Passagiere über den Fluss. Jetzt, im Hochsommer, führt der Fluss wenig Wasser, der Fährbetrieb ist zu gefährlich, denn die Fähre könnte auf Grund laufen. Dies ist Wasser auf den Mühlen einer Bewegung im nahegelegenen Dorf, die sich für den Bau einer riesigen Betonbrücke stark macht, was die idyllische Landschaft verschandeln, das Aus für Saras Fähre bedeuten und Sara die Lebensgrundlage entziehen würde.
Etwa zur selben Zeit landet ein junger Mann bei Sara. Er hat eine Kopfverletzung, die versorgt werden muss. Er ist total entkräftet und gibt keine Erklärung darüber ab, wie er sich die Verletzung zugezogen hat. Die wortkarge Sara, die am liebsten allein mit ihren Tieren auf ihrem Hof, dem Grünen Mond, lebt, fragt nicht nach. Sie bietet ihm ein Bett für die Nacht an, am nächsten Morgen soll er wieder verschwinden. Leon weiß nicht, wohin er gehen soll und macht Sara am nächsten Tag ein Angebot: als Gegenleistung dafür, dass er noch eine Weile bleiben kann, wird er dringend nötige kleinere Reparaturarbeiten erledigen. Das Arrangement bewährt sich und nach und nach entwickelt sich so etwas wie ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden. Doch beide haben ihre Geheimnisse. Als Sara herausfindet, wer Leon wirklich ist, fühlt sie sich hintergangen und setzt ihn vor die Tür.
„Tage am Fluss“ ist eine wunderbar entschleunigende Lektüre. Beim Lesen spürt man die flirrende Sommerhitze, die Abkühlung im Wasser des Flusses, die beruhigende Gegenwart der Hühner und der treuen Hündin Luna. Das Aufeinandertreffen von Leon und Sara ist für beide heilsam. Sara hat den frühen Unfalltod ihres jüngeren Bruders nie verwunden und verarbeitet, Leon ist der erste, mit dem sie darüber spricht. Leon wiederum hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Er macht sich große Sorgen um die Zukunft des Planeten und will ganz konkret den Bau einer Autobahn im Wald seiner Kindheit verhindern. Die Liebe zur Natur und der Wunsch, sie zu schützen, vereint die beiden. Ich habe dieses Buch gerne gelesen.