Für mich ist dieses Buch wie ein Fluss: mal sanft und liebevoll, mal wild und unberechenbar

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mrs.may.reads Avatar

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In „Tage am Fluss“ von Jochen Mariss lernen wir Sara kennen. Sie ist 44 Jahre alt, lebt zurückgezogen mit ihren Hühnern, Schafen und ihrer Hündin Luna auf dem elterlichen Anwesen „Grüner Mond“ und betreibt die Fähre, die schon seit Generationen zur Familie gehört. Eines Tages taucht Leon auf, ein junger Umweltaktivist, erschöpft, verletzt und auf der Suche nach einem sicheren Ort. Was zunächst nach einer zufälligen Begegnung aussieht, entwickelt sich nach und nach zu einer Verbindung, die weit über diesen einen Moment hinausgeht.

Schon auf Seite 17 musste ich schmunzeln: „Zeit für das Hühnerorakel…. Die entscheidende Frage war: hielt sich die Mehrzahl der Hühner links des Weges auf - was einen guten Tag ankündigte - oder musste Sarah mit dem Schlimmsten rechnen, weil sich die meisten Hühner auf der rechten Seite auf jeden?“ Allein diese Idee fand ich großartig. Und genau das beschreibt dieses Buch für mich so gut: Es überrascht, berührt und bleibt dabei wunderbar unaufgeregt. 🐓

„Tage am Fluss“ hatte für mich vom ersten Kapitel an einen unglaublichen Sog. Ich hatte sofort Lust, weiterzulesen und konnte es kaum aus der Hand legen.

Besonders schön fand ich den Perspektivwechsel zwischen Sara und Leon. Dadurch lernen wir beide Figuren intensiv kennen und erleben ihre Gedanken, Ängste und Hoffnungen auf eine sehr authentische Weise. Es ist außerdem schön zu beobachten, wie zwei eher verschlossene Menschen langsam Vertrauen zueinander aufbauen und sich nach und nach öffnen.

Und diese Naturbeschreibungen, waren großartig. Man spürt die flirrende Sommerhitze, hört die Bienen summen, sieht die Trauerweide über dem Fluss hängen und fühlt die morgendliche Ruhe, die Sara so liebt.

Gleichzeitig steckt unglaublich viel Tiefe in dieser Geschichte: Klimakrise, Heimat und Existenzängste, Einsamkeit, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, welches Erbe wir kommenden Generationen hinterlassen.

Besonders interessiert hat mich, wie viele Spannungsfelder parallel erzählt werden und wie selbstverständlich sie ineinandergreifen.

Und dann gibt es diese Sätze, die hängen bleiben: „Je aussichtsloser es ist, umso breiter musst du lächeln.“

Für mich ist dieses Buch wie ein Fluss: mal sanft und liebevoll, mal wild und unberechenbar, aber immer mitreißend und bewegend.

Ein hochaktueller Roman über das Leben, unsere Gesellschaft und die großen Fragen unserer Zeit , voller Hoffnung, Naturverbundenheit und guter Gedanken fürs eigene Leben.