Gelungenes Romandebüt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
sarahsjan Avatar

Von

"Tage am Fluss" ist das Romandebüt von Jochen Mariss – und eines, das mich positiv überrascht hat. Mit so viel Wärme, Gefühl und atmosphärischer Dichte hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Im Mittelpunkt steht die Fährfrau Sara Harmsen, die zurückgezogen mit ihren Tieren am Fluss lebt und das Dorf Erlengrund mit der Außenwelt verbindet. Als der verletzte Leon auf ihrer Fähre auftaucht, kreuzen sich die Wege zweier Menschen, die beide ihre eigenen Wunden mit sich tragen. Fast 20 Jahre trennen sie. Während Leon auf Saras Hof mithilft, entwickeln die beiden langsam Vertrauen zueinander. Gleichzeitig rücken Themen wie Naturschutz, Klimawandel und der Konflikt um eine geplante Brücke immer stärker in den Fokus.

Besonders gelungen fand ich die Beziehung zwischen Sara und Leon. Ihre Annäherung wird einfühlsam und glaubwürdig erzählt, ohne kitschig zu werden. Gerade die leisen Momente zwischen den beiden haben mich abgeholt. Auch das Setting hat einen großen Anteil am Lesegenuss: die kleine Fähre, der Hof bei Erlengrund, die Tiere und der Fluss schaffen eine wunderbare Atmosphäre, in die man gerne eintaucht.

Das Klimathema ist dabei kein erhobener Zeigefinger, sondern organisch in die Handlung eingebunden. Die Botschaften über Naturverbundenheit, Verantwortung und Gemeinschaft wirken stimmig und nachvollziehbar.

Ein schöner Roman über zweite Chancen, die Kraft der Natur und die Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Für mich ein gelungenes Debüt mit viel Herz – und verdienten 4 von 5 Sternen. Ich freue mich auf seinen nächsten Roman.