Knallharter Kampf um einen Lebensraum

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Sara Harmsen arbeitet in vierter Generation als Fährfrau und lebt mit einem halben Dutzend Schafen direkt an einer Flussschleife. Als an einem heißen Sommertag der junge Leon, verletzt und ohne einen Cent in der Tasche, auf ihrer Fähre strandet, dringen Konflikte der Außenwelt in Saras Idylle ein. Leon ist offenbar auf der Flucht, nachdem das Protestcamp zur Rettung eines Waldstücks vor der Abholzung geräumt worden ist. Sara, der mit fast 50 die körperliche Arbeit um Fähre, Haus und Brunnen zunehmend schwerer fällt, bietet Leon eher unwillig Unterkunft gegen Arbeitsleistung an. Ihr reparaturbedürftiges Haus ist eine einzige Zumutung; wenn man eine Sache repariert hat, lauert dahinter schon die nächste Katastrophe, stellt Leon bald fest. Während der Wasserspiegel des Flusses in der Hitze so weit sinkt, dass der Fährverkehr eingestellt werden muss, umkreisen sich mit großer Vorsicht die Einzelgängerin und der von der Polizei Gejagte. Beide sind aufeinander angewiesen, beide tragen die Last ihrer Vergangenheit und können sich nur schwer öffnen.

Seit sie von ihren Wanderjahren aus der Fremde heimgekehrt ist, hat Sara zurückgezogen gelebt und nur das Nötigste gesprochen. Leon stört ihre Routine, seine Anwesenheit demonstriert ihr jedoch, dass sie nicht mehr lange allein zurechtkommen wird. Die Fährfrau steckt zudem fest in einem Konflikt um den geplanten Brückenbau, für den ihr Land an der Flussbiegung benötigt wird. Der Bürgermeister und der Lehrer, der auf dem täglichen Arbeitsweg auf die pünktliche Abfahrt der Fähre angewiesen ist, vertreten das Brückenprojekt entschieden. Man fragt sich allerdings, ob die geplante Brücke den Ort nicht komplett vom Verkehr abhängen und zur Schlafstadt degradieren wird. Von alternativen Plänen um Radwanderwege, Tourismus und Nachhaltigkeit ist bisher nicht die Rede.

Fazit
Auch wenn Sara in idyllischer Lage am Fluss lebt und arbeitet, ist Jochen Mariss Roman alles andere als leichte Sommerunterhaltung. Im Konflikt um die Waldbesetzung geht es ebenso gnadenlos zur Sache wie in der Auseinandersetzung um die Brückenplanung. Zartbesaiteten Gemütern rate ich von der Lektüre vorsichtshalber ab. Wen jedoch knorrige, einzelgängerische Charaktere fesseln können und wen Hund, Huhn und Schaf amüsieren, der/die sollte hier zugreifen.