Loslassen, Seele lüften und Blick weiten

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walliliest Avatar

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Sara, Ende vierzig, lebt alleine auf einem Grundstück am Fluss in Erlengrund und betreibt dort eine Seilfähre. Die menschenscheue Fährfrau liebt ihre geordnetes, zurückgezogenes Leben. Ihre Routinen und ihre Bücher geben ihr Sicherheit. Ihre Hündin Luna besetzt den Platz neben ihr im Bett. Das Zimmer ihres Bruders Jan bleibt unangetastet.
Eines Abends schleppt sich ein verletzter junger Mann mit letzten Kräften auf die Fähre und möchte so schnell wie möglich an das andere Flussufer. Was hat es mit Leon auf sich? Sara beschließt ihn für eine Nacht bei sich aufzunehmen und ihm Jans Zimmer zu geben. Aber Leon hat überhaupt keine Motivation das Flussgrundstück "Grüner Mond" zu verlassen, schließlich wird er polizeilich gesucht, weil er bei der Besetzung des Uhlendorfer Forsts Mist gebaut hat. Davon und von vielen anderen Geheimnissen rund um Leon weiß Sara nichts. Schließlich ist Leon nicht zufällig in Erlengrund gelandet. Aber auch Sara hat ihre Geheimnisse, die sie fest in sich eingesperrt hat. Es geht um Schuldgefühle, Verlust, einen gewalttätigen Vater und viel aufgestaute Wut. Und es geht auch um ihre Existenz, die durch den Klimawandel mit zuviel Niedrig- und Hochwasser bedroht ist und die durch den Bau einer neuen Brücke gefährdet wäre. Leon hilft Sara auf dem Hof mit den Tieren und den anfallenden Reparaturen und das gemeinsame Baden im Fluss wird zu ihrem Ritual. Die gemeinsamen Tage am Fluss verändern beide nachhaltig. Leon und Sara kommen sich näher. Nach und nach kann Leon mehr als blanke Panik vor der Klimakatastrophe empfinden und sich eine lebenswerte Zukunft in der verrückten Welt vorstellen und Sara findet mehr Leichtigkeit und Zuversicht im Leben. Und egal, wie die Sache mit Leon ausgeht, Sara ist bereit dafür, die Seele zu lüften und den Blick zu weiten.

Meinung:
"Tage am Fluss" liest sich sehr flüssig. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Mir hat es gut gefallen, die heißen Sommertage mit Sara und Leon am Fluss zu verbringen, gedanklich mit ihnen zu frühstücken, zu baden und dabei ihren Überzeugungen, Sehnsüchten und Ängsten näher zu kommen.
Und mir hat die Thematik gut gefallen. Ein Klimaaktivist, der an der Klimakatastrophe zu verzweifeln droht und eine verschrobene Fährfrau, die im Einklang mit der Natur lebt und dennoch keinen Frieden findet. Am Fluss lernen Sara und Leon das Loslassen und gewinnen mehr Vertrauen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für "Tage am Fluss".