"Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, um bei sich anzukommen!"

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
cazymonkey Avatar

Von

Sara, die Fährfrau von Erlengrund, ist mit ihrer Fähre die einzige Verbindung zum Rest der Welt. Jedoch führt der Fluss jedes Jahr im Sommer weniger und weniger Wasser und die Dorfgemeinschaft spricht sich weitestgehend für die Errichtung einer Brücke aus. Damit ist Sara aber gar nicht einverstanden und als eines Tages ein junger mysteriöser Mann namens Leon verletzt auf ihre Fähre auftaucht, erkennen sie ineinander verbündete Seelen...

Ehrlicherweise war ich kurz davor das Hörbuch abzubrechen, weil das Thema mich schon länger stark beschäftigt und genauso panisch macht wie Leon. Gerade die letzten Wochen mit Hitze bringen mir für meine Kinder zeitweise einen dunkle Sicht auf Bereiche wie Klima, Erderwärmung, Überkonsum und das Ende gewisser Ressourcen. Genau dies ist etwas das große Verzweiflung erzeugt und Autor Jochen Mariss mit dem nachdenklichen, leicht depressiven und dennoch für Ideale kämpfenden Leon im Roman kritisch zur Sprache bringt. Denn wiederum sollten viel mehr Leute sich damit beschäftigen und vielleicht genau diese Geschichte lesen bzw. hören und in Denkanstößen kleine Veränderungen wagen.
Gleichzeitig steht Sara für die schwierig, traurige Lebensgeschichte einer Generation nach dem Krieg mit ihrem herrischen Vater, einer kleingehaltenen Mutter, dem sanften Bruder Jan und ihrem eigenen Ausbruch daraus. Sehr spannend war für mich hierbei Saras innere Stimme verkleidet als die ihres Bruders Jan und dem nach und nach erzähltem Schickal der gesamten Familie.

Mit dem sanft, feinem Schreibstil bekommt man am Ende trotzdem kein Bild der Auswegslosigkeit gezeichnet, sondern denkwürdige Fragen aufgeworfen, die Bestätigung, dass sich es lohnt mutig zu sein um Neues entdecken zu können und lohnenswerte Ergebnisse, wenn man seine Perspektive verschiebt.

Die Zukunft kann beängstigend und grausam aussehen, aber manchmal ist die Gegenwart alles was wir für den Moment brauchen!

Die abwechselnde Erzählung mit den Stimmen von Heike Warmuth, eine meiner liebsten Sprecherinnen, und Nils Kretschmer ist sehr harmonisch und atmosphärisch gut gelungen.

Fazit: Ein überlegtes Erstlingswerk, dass schwermütige Themen wie Klimawandel mit dem Mut die Hoffnung auf Veränderung nicht ziehen zu lassen, anspricht!