Mehr als eine leichte Sommerlektüre
Mischung aus persönlich-Emotionalem und gesellschaftlich relevanten Themen wie Klimawandel und Umweltschutz, gesellschaftliche Spaltung etc.
Anfangs wirkt es wie ein leichter Sommerroman, aber schnell erkennt man, dass Jochen Mariss in seinem Debütroman persönliche Problematiken mit gesellschaftlich relevanten Themen verknüpft, vor allem mit aktuellen Fragen zu Umwelt und Klimaschutz.
Mit den beiden Hauptpersonen Sara und Leon treffen zwei eigenwillige Menschen aufeinander, die beide irgendetwas verbergen oder an etwas leiden, was nach und nach offen gelegt wird.
Ein geschickter Einstieg: ein Fuchs verletzt ein Huhn, das leider getötet werden muss - nicht nur anrührend und schockierend, sondern es lässt sich auch aus Saras Verhalten einiges schließen: ihre Tierliebe, ihre zupackende und pragmatische Art. Sara liebt Tiere mehr als Menschen, z.B. ihre Hühner, ‘weil sie aufrichtig waren… Ein Huhn kannte keine Lügen.’ (12) Daraus könnte man schließen, dass Sara menschlich enttäuscht wurde, aber was und von wem? Es gibt Andeutungen zu ihrer Vergangenheit, zur Familie und daraus ergeben sich Fragen, die es für den Leser spannend machen.
Eigentlich könnte es ein geruhsames Leben sein, Fährfrau an einem kleinen Fluss, das Dorf Erlengrund in der Nähe, aber schon zu Anfang werden Risse in der Idylle aufgezeigt: das Dorf ist gespalten in solche, die eine Brücke wollen und andere, die dagegen sind.
Dann tritt Leon in das Leben der etwa 50-jährigen Sara, ein verletzter junger Mann, der auch Geheimnisse hat und von ihr erst einmal versorgt wird, den sie aber schnell wieder loswerden möchte. Doch sie nähern sich einander an - was sogar einen erotischen Touch hat - und er kann ihr mit Reparaturen und Ähnlichem helfen und bleibt vorerst.
Für den Leser ergeben sich viele Fragen, die die Spannung aufrecht erhalten: Wie ist Saras kleiner Bruder Jan gestorben? Warum lebt sie überhaupt so alleine und lieber mit Tieren zusammen als mit Menschen? Was hat Leon angestellt? Warum versteckt er sich? Was wird aus dem Konflikt Brücke/Fähre werden?
Immer wieder wird die Klimaproblematik thematisiert: ‘Der Planet würde unbewohnbar werden. Aber sie machten trotzdem so weiter, als würde sie das alles nichts angehen.’ (91) - ‘die machtgeilen alten Männer, die Kriege anzetteln’ (92), der Lebensstil vieler Menschen (93). Das bleibt aber nicht nur im Theoretischen stecken, sondern wird an aktuellen Ereignissen verdeutlicht: zuerst fällt der Flusspegel, so dass die Fähre ihren Betrieb einstellen muss, dann gibt es plötzlich Hochwasser - aktueller geht es nicht (Juli 2026).
Die Diskussion um die Brücke verdeutlicht sehr gut das Dilemma: braucht man sie, weil die Fähre nicht immer verfügbar und der Umweg über eine vorhandene Brücke zu lang ist oder zerstört sie die Flussaue mit ihren Betonmassen? Ein interessantes Thema, exemplarisch für viele Diskussionen heutzutage.
Das ist es auch, was das Buch trotz einiger kleinerer trivialer Entgleisungen interessant und lesenswert macht. Es gibt hoffentlich Denkanstöße zu mehr Umweltbewusstsein. Sara selbst fragt sich, was sie wegen der Brücke tun kann und hat auch kleinere praktikable Ideen.
Am Ende klärt sich vieles auf, ohne in ein kitschiges Happy End abzugleiten und lässt - durchaus realistisch - einige Fragen offen.
Fazit
Ich habe es gerne gelesen und stufe es als gehobene Unterhaltungsliteratur ein, die Persönliches mit akuten drängenden Fragen unserer Zeit vermischt, weshalb ich über die wenigen leicht trivial anmutenden Stellen hinwegsehe und es trotzdem als leichte Lektüre mit Tiefgang empfehle.
Anfangs wirkt es wie ein leichter Sommerroman, aber schnell erkennt man, dass Jochen Mariss in seinem Debütroman persönliche Problematiken mit gesellschaftlich relevanten Themen verknüpft, vor allem mit aktuellen Fragen zu Umwelt und Klimaschutz.
Mit den beiden Hauptpersonen Sara und Leon treffen zwei eigenwillige Menschen aufeinander, die beide irgendetwas verbergen oder an etwas leiden, was nach und nach offen gelegt wird.
Ein geschickter Einstieg: ein Fuchs verletzt ein Huhn, das leider getötet werden muss - nicht nur anrührend und schockierend, sondern es lässt sich auch aus Saras Verhalten einiges schließen: ihre Tierliebe, ihre zupackende und pragmatische Art. Sara liebt Tiere mehr als Menschen, z.B. ihre Hühner, ‘weil sie aufrichtig waren… Ein Huhn kannte keine Lügen.’ (12) Daraus könnte man schließen, dass Sara menschlich enttäuscht wurde, aber was und von wem? Es gibt Andeutungen zu ihrer Vergangenheit, zur Familie und daraus ergeben sich Fragen, die es für den Leser spannend machen.
Eigentlich könnte es ein geruhsames Leben sein, Fährfrau an einem kleinen Fluss, das Dorf Erlengrund in der Nähe, aber schon zu Anfang werden Risse in der Idylle aufgezeigt: das Dorf ist gespalten in solche, die eine Brücke wollen und andere, die dagegen sind.
Dann tritt Leon in das Leben der etwa 50-jährigen Sara, ein verletzter junger Mann, der auch Geheimnisse hat und von ihr erst einmal versorgt wird, den sie aber schnell wieder loswerden möchte. Doch sie nähern sich einander an - was sogar einen erotischen Touch hat - und er kann ihr mit Reparaturen und Ähnlichem helfen und bleibt vorerst.
Für den Leser ergeben sich viele Fragen, die die Spannung aufrecht erhalten: Wie ist Saras kleiner Bruder Jan gestorben? Warum lebt sie überhaupt so alleine und lieber mit Tieren zusammen als mit Menschen? Was hat Leon angestellt? Warum versteckt er sich? Was wird aus dem Konflikt Brücke/Fähre werden?
Immer wieder wird die Klimaproblematik thematisiert: ‘Der Planet würde unbewohnbar werden. Aber sie machten trotzdem so weiter, als würde sie das alles nichts angehen.’ (91) - ‘die machtgeilen alten Männer, die Kriege anzetteln’ (92), der Lebensstil vieler Menschen (93). Das bleibt aber nicht nur im Theoretischen stecken, sondern wird an aktuellen Ereignissen verdeutlicht: zuerst fällt der Flusspegel, so dass die Fähre ihren Betrieb einstellen muss, dann gibt es plötzlich Hochwasser - aktueller geht es nicht (Juli 2026).
Die Diskussion um die Brücke verdeutlicht sehr gut das Dilemma: braucht man sie, weil die Fähre nicht immer verfügbar und der Umweg über eine vorhandene Brücke zu lang ist oder zerstört sie die Flussaue mit ihren Betonmassen? Ein interessantes Thema, exemplarisch für viele Diskussionen heutzutage.
Das ist es auch, was das Buch trotz einiger kleinerer trivialer Entgleisungen interessant und lesenswert macht. Es gibt hoffentlich Denkanstöße zu mehr Umweltbewusstsein. Sara selbst fragt sich, was sie wegen der Brücke tun kann und hat auch kleinere praktikable Ideen.
Am Ende klärt sich vieles auf, ohne in ein kitschiges Happy End abzugleiten und lässt - durchaus realistisch - einige Fragen offen.
Fazit
Ich habe es gerne gelesen und stufe es als gehobene Unterhaltungsliteratur ein, die Persönliches mit akuten drängenden Fragen unserer Zeit vermischt, weshalb ich über die wenigen leicht trivial anmutenden Stellen hinwegsehe und es trotzdem als leichte Lektüre mit Tiefgang empfehle.