Mutmachender Weckruf

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Tage am Fluss von Jochen Mariss ist ein Roman über eine unerwartete Freundschaft zweier Menschen, die in die Thematik Umweltaktivismus eingebettet ist.

Sara ist Fährfrau und lebt mit den Wunden ihrer Vergangenheit eher zurückgezogen am Fluss in einem kleinen Dorf. Leon flüchtet sich verletzt vor der Polizei auf Saras Fähre und kommt zunächst unwillig bei ihr unter. Als Saras Existenz bedroht wird, finden die beiden trotz ihrer Unterschiede Gemeinsamkeiten und gewinnen mit der Zeit Akzeptanz, Solidarität und Freundschaft.
Sara und Leon konnten unterschiedlich schnell meine Sympathie gewinnen, aber ich habe beide in mein Herz geschlossen. Besonders auch die Gegenüberstellung der beiden fand ich spannend. Während Sara eine großartige Charakterentwicklung hinlegt, fungiert Leon eher als ihr Katalysator. Mariss hat zwei Personen geschaffen, die trotz ihrer Gegenteile gemeinsame Ziele verfolgen und dabei für Lesende greifbar werden. Nicht zuletzt das Sprecher*innen-Duo Heike Warmuth und Nils Kretschmer haben dazu beigetragen, Sara und Leon zum Leben zu erwecken.

Lediglich die durch die Geschichte hinweg angedeutete sexualisierte Ebene fand ich zum einen absolut überflüssig, vor allem hat sie mich aber massiv genervt. Wie ein Splitter, den man nicht richtig greifen kann und an den man bei jeder Bewegung unangenehm erinnert wird.

Denn die übergeordnete Handlung rund um Widerstand, Aktivismus und Umweltschutz, zusammen mit der wachsenden Freundschaft, waren authentisch umgesetzt und haben die Geschichte getragen. In Anbetracht der aktuellen Lage, dass der Klimawandel immer spürbarer wird, ist die Geschichte ein literarischer Weckruf und gerade deswegen für mich so mutmachend und inspirierend.

Eine Szene zum Ende hin fand ich etwas zu künstlich dramatisiert und Leon hat in der Situation wirklich nicht mitgedacht und leichtsinnig gehandelt, aber den Ausgang insgesamt fand ich sehr gelungen und hoffnungsvoll.
Für mich ist Tage am Fluss ein insgesamt sehr gelungener und wichtiger Roman über Freundschaft, Solidarität und Aktivismus, den jeder lesen oder hören sollte, auch wenn ich zwei kleine Punkte abziehen musste.