Plätschert vor sich hin

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leylin Avatar

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Das Cover und die Inhaltsangabe versprachen einen stimmungsvollen, sommerlichen Wohlfühlroman. Für mich entwickelte sich Jochen Mariss' Roman jedoch zu einer eher vorhersehbaren Lektüre, die zwar immer wieder Tiefgang anstrebt, diesen letztlich aber nicht vollständig entfalten kann.
Im Mittelpunkt steht Sara Harmsen, die als Fährfrau vom Erlengrund eine lange Familientradition fortführt. Doch ihre Fähre soll einer modernen Brücke weichen, die dem Ort wirtschaftlichen Aufschwung bringen soll. Als der junge Leon, der nach einer Waldbesetzung vor der Polizei flieht, in Saras Leben tritt, geraten ihre festgefahrenen Strukturen ins Wanken.
Die Grundidee der Geschichte fand ich durchaus stimmig. Weniger überzeugen konnten mich jedoch die Figuren und ihre Entwicklung. Insbesondere Saras Verhalten wirkte auf mich nur schwer nachvollziehbar: Eine über Jahre zurückgezogen lebende, verschlossene Frau fasst innerhalb kürzester Zeit großes Vertrauen zu einem fremden jungen Mann und offenbart ihm ihre tiefsten persönlichen Traumata. Diese Entwicklung erschien mir zu abrupt und wenig glaubwürdig. Im weiteren Verlauf häufen sich ähnliche Situationen, wodurch die Handlung zunehmend konstruiert wirkte. Auch das sehr offensichtliche Foreshadowing nahm für mich einiges an Spannung vorweg.
Positiv hervorzuheben ist hingegen der angenehme Schreibstil. Der Roman liest sich flüssig und zügig, sodass die Seiten nur so dahinfliegen. Wer eine unkomplizierte, leichte Sommerlektüre sucht und sich an einer vorhersehbaren Handlung nicht stört, könnte mit diesem Buch dennoch gut unterhalten werden.