Zwischen Licht und Unruhe

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wortteufel Avatar

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Ein stiller, sinnlicher Auftakt, der weniger erzählt als atmend beschreibt. Tage des Lichts öffnet sich mit einer fast schwebenden Sprache, die Nähe schafft – zu einem Haus, einer Familie, einem innerlich suchenden jungen Menschen. Ivy steht im Zentrum: beobachtend, tastend, voller leiser Sehnsucht und Unsicherheit. Die Handlung tritt zunächst zurück zugunsten von Atmosphäre, Körperlichkeit und feinen psychologischen Verschiebungen.
Megan Hunter schreibt dicht, poetisch, manchmal beinahe überreich an Bildern. Licht, Gerüche, Haut, Stimmen – alles ist aufgeladen mit Bedeutung. Die Familienkonstellation wirkt zugleich geborgen und fragil, durchzogen von unausgesprochenen Spannungen, künstlerischem Ehrgeiz, emotionaler Distanz. Besonders stark ist das Gefühl eines Moments „kurz vor etwas“: vor Veränderung, vor Verlust, vor dem Erwachsenwerden – und vor dem Schatten der Zeitgeschichte.
Die Leseprobe fordert Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einer intensiven, literarischen Stimmung. Wer plotgetrieben liest, könnte zögern. Wer sich gern in Sprache, Innenwelten und Zwischentönen verliert, wird hier sehr früh hineingezogen.