Das Licht in allen Dingen
Ostersonntag im Jahr 1938 auf dem Landsitz Cressingdon in der englischen Grafschaft Sussex: Ivy, jüngstes Mitglied einer angesehenen Familie von Künstlern, ist 19 Jahre alt und unschlüssig, was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll, als ein dramatisches Erlebnis passiert. Ihr älterer Bruder Joseph, der der Familie gerade erst seine Freundin Frances vorgestellt hat, ertrinkt beim gemeinsamen Baden mit Ivy in einem Fluss. Ein Vorfall, der sie ihr ganzes Leben beschäftigen wird…
„Tage des Lichts“ ist ein Roman von Megan Hunter.
Die ungewöhnliche Struktur des Romans ist sehr durchdacht: Erzählt wird die Geschichte in sechs Teilen, die jeweils an einem Tag im April in den Jahren 1938, 1944, 1956, 1965 und 1999 spielen. Dabei zeigt sich, dass die symbolträchtige Zeit um Ostern immer wieder zu Wendepunkten und einschneidenden Veränderungen für Ivy geführt hat. Die Handlung umfasst somit ihr Leben von 19 bis 80 Jahren. Erzählt wird die Geschichte in chronologischer Reihenfolge und durchgängig in personaler Perspektive aus Ivys Sicht.
Die Protagonistin ist eine sehr spezielle Figur. Sie wird mit psychologischer Tiefe dargestellt. Ihr Charakter wirkt in sich schlüssig, obgleich ich nicht alle ihre Entscheidungen komplett nachvollziehen und ihre Gefühle oftmals nicht nachempfinden konnte.
Das fiktive Personal um Ivy ist an die britische Bloomsbury-Gruppe angelehnt, wie die Autorin in ihrer kurzen Nachbemerkung dokumentiert. Ivys Mutter Marina orientiert sich an der Malerin Vanessa Bell, Ivy selbst an deren Tochter Angelica Grant und ihr späterer Ehemann Bear an David „Bunny” Garnett. Wer den Roman mit einem gewissen Vorwissen darüber als eine Hommage an die Familie lesen kann, dürfte von Vorteil sein. Ohne diesen Hintergrund habe ich mich allerdings zu Beginn schwer damit getan, das Beziehungsgeflecht zu entwirren.
Der Fokus des Romans liegt auf den Überlegungen und Gedanken Ivys. Dabei nimmt Spirituelles sehr viel Raum ein. Die permanente Suche nach Transzendenz, der Hang zu Esoterik und der Wechsel zwischen Zuwendung und Abkehr beim Thema Religiösität haben es mir erschwert, einen Zugang zu der Geschichte zu finden.
Überzeugen konnte mich dagegen die Beschreibung und Entwicklung der Verbindung zwischen Ivy und Frances. Diese und andere queere Beziehungen werden glaubwürdig dargestellt.
Durch die Verdichtung auf sechs Tage ist die Geschichte zwar alles andere als handlungsarm. Auf den knapp 300 Seiten kommt es aber dennoch zu Redundanzen und langatmigen Passagen.
Der Text ist voller Poesie und außergewöhnlichen Metaphern. Insgesamt hat mich der Roman auf der sprachlichen Ebene allerdings enttäuscht. Das Wort Licht und dessen Synonyme tauchen nicht nur im Titel, sondern fast auf jeder Seite auf, zum Teil sogar mehrfach, sodass immer wieder schräge, teils absurde oder unsinnige Bilder entstehen. Daher hat sich bei mir zunehmend Überdruss bereitgemacht hat.
Mein Fazit:
Der neue Roman von Megan Hunter bietet nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Mit „Tage des Lichts“ verfolgt die Autorin zwar einen interessanten und besonderen Ansatz. Dennoch hat mich die Geschichte leider nicht erreicht.
„Tage des Lichts“ ist ein Roman von Megan Hunter.
Die ungewöhnliche Struktur des Romans ist sehr durchdacht: Erzählt wird die Geschichte in sechs Teilen, die jeweils an einem Tag im April in den Jahren 1938, 1944, 1956, 1965 und 1999 spielen. Dabei zeigt sich, dass die symbolträchtige Zeit um Ostern immer wieder zu Wendepunkten und einschneidenden Veränderungen für Ivy geführt hat. Die Handlung umfasst somit ihr Leben von 19 bis 80 Jahren. Erzählt wird die Geschichte in chronologischer Reihenfolge und durchgängig in personaler Perspektive aus Ivys Sicht.
Die Protagonistin ist eine sehr spezielle Figur. Sie wird mit psychologischer Tiefe dargestellt. Ihr Charakter wirkt in sich schlüssig, obgleich ich nicht alle ihre Entscheidungen komplett nachvollziehen und ihre Gefühle oftmals nicht nachempfinden konnte.
Das fiktive Personal um Ivy ist an die britische Bloomsbury-Gruppe angelehnt, wie die Autorin in ihrer kurzen Nachbemerkung dokumentiert. Ivys Mutter Marina orientiert sich an der Malerin Vanessa Bell, Ivy selbst an deren Tochter Angelica Grant und ihr späterer Ehemann Bear an David „Bunny” Garnett. Wer den Roman mit einem gewissen Vorwissen darüber als eine Hommage an die Familie lesen kann, dürfte von Vorteil sein. Ohne diesen Hintergrund habe ich mich allerdings zu Beginn schwer damit getan, das Beziehungsgeflecht zu entwirren.
Der Fokus des Romans liegt auf den Überlegungen und Gedanken Ivys. Dabei nimmt Spirituelles sehr viel Raum ein. Die permanente Suche nach Transzendenz, der Hang zu Esoterik und der Wechsel zwischen Zuwendung und Abkehr beim Thema Religiösität haben es mir erschwert, einen Zugang zu der Geschichte zu finden.
Überzeugen konnte mich dagegen die Beschreibung und Entwicklung der Verbindung zwischen Ivy und Frances. Diese und andere queere Beziehungen werden glaubwürdig dargestellt.
Durch die Verdichtung auf sechs Tage ist die Geschichte zwar alles andere als handlungsarm. Auf den knapp 300 Seiten kommt es aber dennoch zu Redundanzen und langatmigen Passagen.
Der Text ist voller Poesie und außergewöhnlichen Metaphern. Insgesamt hat mich der Roman auf der sprachlichen Ebene allerdings enttäuscht. Das Wort Licht und dessen Synonyme tauchen nicht nur im Titel, sondern fast auf jeder Seite auf, zum Teil sogar mehrfach, sodass immer wieder schräge, teils absurde oder unsinnige Bilder entstehen. Daher hat sich bei mir zunehmend Überdruss bereitgemacht hat.
Mein Fazit:
Der neue Roman von Megan Hunter bietet nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Mit „Tage des Lichts“ verfolgt die Autorin zwar einen interessanten und besonderen Ansatz. Dennoch hat mich die Geschichte leider nicht erreicht.