Ein Frauenleben in 6 Tagen erzählt

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downey_jr Avatar

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„Tage des Lichts“ von Megan Hunter hatte mich thematisch stark angesproche. Besonders interessant fand ich, dass hier das Leben einer Frau zusammengefasst auf 6 Tage ihres Lebens erzählt wird.

Die Geschichte beginnt 1938 in England, wo die 19jährige Ivy noch nicht erwachsen ist und sich selbst noch nicht wirklich gefunden hat. „ielleicht, so überlegte sie, lag das daran, dass sie keine Frau wie andere war. Schon als Kind hatte Ivy das Gefühl gehabt, ihre Seele sei nicht ganz weiblich.“
Ivy hat große Träume und Pläne für ihr Leben, doch als ihr Bruder Joseph tödlich verunglückt, ändert dies alles.

Nach dem nächsten Zeitsprung ist Ivy inzwischen verheiratet mit Bear und hat Kinder.
„Genau so ist das im Leben, das wurde Ivy bewusst, wie eine Flutwelle von Dingen, Häusern und Menschen, die auf sie zuströmt, über sie hinwegrollt. Das Leben fand statt, und sie war mittendrin, doch es schien keine Kontrolle zu geben, keine Wahl. Sie hatte etwas anderes erwartet, an jenem Tag im Krankenhaus hatte sie beschlossen, dass keine ihrer Entscheidungen eine Rolle spielte. Dennoch hatte sie damit gerechnet, zumindest Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. Dass sie nicht auf die Universität gegangen war, war kaum eine Überraschung. Aber sie malte nicht, sie schrieb nicht, und in diesen Tagen tanzte oder sang sie auch nicht. Sein neues Buch hatte Bear nie veröffentlicht: Sie hatten Kinder, das war alles, ihr Leben war eingeengt; ohne dass sie es gemerkt hatten, hatte es diese konventionelle Form angenommen. Sie waren einfach so geworden wie alle anderen auch.“

Doch sie trifft Frances wieder, die damalige Freundin ihres Bruders Joseph. Und sie kann sich nicht gegen die leidenschaftlichen Gefühle wehren, die sie für Frances hegt ...

Ich möchte hier zum Inhalt nicht spoilern, nur so viel: Ivys Leben wird in weiteren Zeitsprüngen erzählt, bis hin zum Ende, das leider eine Frage noch offen lässt, auf deren Beantwortung ich eigentlich gehofft hatte.

„Und doch hatte sie damals nichts Wichtiges erfahren, war zu keiner Erkenntnis gekommen, hatte keine einzige Antwort auf ihre Fragen erhalten. Alles war wie vom Wind verweht, es wucherte, bedeutungslos.“

Ich hatte nach der vorherigen Leseprobe andere/höhere Erwartungen an diesen Roman. Obwohl der Schreibstil ansich gut war, konnte dieser eher ruhige Roman mich nicht ganz überzeugen. Ivy blieb leider ein wenig blass für mich. Auch wenn ich die Idee, die Lebensgeschichte auf 6 Tage zusammenzufassen, sehr interessant fand, war mir die Geschichte insgesamt etwas zu langweilig. Insgesamt ein Buch, das ganz okay war, mich aber nicht wirklich berühren konnte.

Vielen Dank an den C. H. Beck Verlag, an Vorablesen.de und an NetGalley für die Rezensionsexemplare!