Ein Leben im Zeitraffer

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noiram Avatar

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Tage des Lichts von Megan Hunter ist kein Buch, das mit lauten Knall-Effekten arbeitet. Es ist eine Geschichte der leisen Töne, auf die man sich als Leser bewusst einlassen muss – doch wenn man es tut, hallt sie lange nach.

Wir begleiten Ivy, die wie so viele von uns an der Schwelle zum Erwachsenwerden von einem „besonderen“ Leben träumt. Doch der Alltag schlägt zu, und die Jahre ziehen in ganz normalen Bahnen an ihr vorbei. Erst die Begegnung mit Francis rüttelt sie wach und führt ihr die eigene innere Leere vor Augen. Es entflammt eine Liebe, die eigentlich nicht sein darf, und stellt alles infrage.

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist das Experiment mit der Zeit: Megan Hunter erzählt ein ganzes Leben in nur sechs Tagen. Der Schreibstil ist dabei sehr zurückhaltend und still, was perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt.
​Das Buch hat mich definitiv zum Grübeln über mein eigenes Leben gebracht. Es ist eine dieser Geschichten, die einem nicht oft begegnen und die einen emotional dort packen, wo man sich fragt: „Bin ich eigentlich da, wo ich sein wollte?“
​Man braucht Geduld und die richtige Stimmung für diesen sehr reduzierten Stil. Wer Action oder eine klassische Liebesgeschichte erwartet, wird hier eventuell nicht fündig. Für Fans von tiefgründiger, fast schon poetischer Prosa ist es aber eine absolute Empfehlung. Ein interessantes Leseerlebnis, das nachwirkt.