Eine traumatische Erfahrung und die Folgen

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johannaberger Avatar

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Sechs Kapitel, sechs Tage im Leben einer Frau. Der erste und folgenschwerste ist der Ostersonntag 1938. Da ist Ivy 19. Am Ostersonntag 1999 endet die Handlung. Ivy ist 80 Jahre alt.

Sie wächst auf in einer wohlhabenden englischen Künstler-Familie auf dem Land. Die Mutter Marina ist Malerin, ihr Lebensgefährte Angus ein noch berühmterer Maler als sie, mit wechselnden Liebhabern. Einen davon, genannt Bear, heiratet Ivy später. Daneben gibt es noch ihren Vater Gilbert, der seine Frau und seine beiden Kinder zwar verlassen hat, aber nicht aus dem Leben der Patchworkfamilie verschwunden ist. Diese Familienkonstellation hat die Autorin lose in vielen Details an die der Jugend von Angelica Garnett angelehnt, der Tochter der Malerin Vanessa Bell (Schwester Virginia Woolfs) und des Malers Duncan Grant.

Ivy beobachtet alle und fühlt sich selbst leer, möchte verschwinden zwischen den Dingen, ein Baum werden. Sie träumt, hat keinen Blick auf die Zukunft. Ein durchscheinender, schwebender Charakter. Man erwartet von ihr, etwas Besonderes zu werden, Künstlerin natürlich „angesichts der Familie, aus der sie stammte“. Allerdings hat sie die Erwartungen der Familie bisher enttäuscht. Eine höhere Schulbildung ist für sie nicht vorgesehen. Ihr geliebter Bruder Joseph darf selbstverständlich in Oxford studieren. Der „wusste, wie man lebte“. Sie bewundert ihn über alle Maßen. An diesem Ostersonntag erwartet er seine Verlobte. Als sie sehr verspätet eintrifft, fühlt Ivy sich sofort zu ihr hingezogen. Spät abends entschließen sich Joseph und Ivy im eiskalten Fluss schwimmen zu gehen. Und dann passiert das Unglück, das Ivy ihr Leben lang nicht verarbeiten kann. Joseph verschwindet im Wasser und wird nicht mehr gefunden. Sie fühlt sich schuldig, ihn nicht gerettet zu haben.

Das ist die Ausgangssituation für die folgenden im Roman beschriebenen fünf Tage im Leben von Ivy. Sie weiß lange nicht, wo sie sich zugehörig fühlen soll, rutscht in Lebenssituationen hinein, fast ohne sich bewusst zu entscheiden. Selbst die Spiritualität, die eine große Rolle in ihrem Leben spielt, entdeckt sie eher zufällig.

Der Roman entwickelt in den ersten beiden Kapiteln einen starken Sog (der später leider etwas ausdünnt). Die personale Erzählweise entlang Ivys Beobachtungen anderer Menschen, der Natur, ihren Gedanken und Gefühlen ist eindrucksvoll. Zuweilen ist mir die Metaphorik aber zu dick aufgetragen. Und die Betonung christlicher Spiritualität kann mich nicht packen. Andere vielleicht schon.