Ruhig

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anna67 Avatar

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Die Geschichte setzt zu Ostern im Jahr 1938 ein, als sich die Familie von Joseph und Ivy versammelt, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Schon zu Beginn liegt eine leise Spannung in der Luft, denn Ivy ist besonders neugierig auf Frances, Josephs Freundin, die erstmals Teil dieses familiären Treffens sein soll. Die Tage versprechen Wärme, Nähe und unbeschwerte Stunden im Kreis von Familie und Freunden – ein Osterfest, das in Erinnerung bleiben sollte.

Doch die erwartete Harmonie zerbricht jäh: Joseph ertrinkt, und mit ihm geht nicht nur ein geliebter Mensch verloren, sondern auch die Zukunft, wie Ivy sie sich vielleicht vorgestellt hatte. Der Schock sitzt tief. Ivy ist orientierungslos, innerlich zerrissen und sucht Halt in einer schnellen, beinahe fluchtartigen Ehe. Diese Entscheidung gibt ihrem Leben Struktur und Sicherheit, aber keine Erfüllung. Sie führt fortan ein angepasstes, gesellschaftlich akzeptiertes Leben – nicht unglücklich, aber ebenso wenig glücklich. Es ist ein Dasein, das funktioniert, jedoch nie wirklich ihres war.

Jahre später begegnet Ivy Frances zufällig wieder. Auch Frances hat inzwischen geheiratet, doch die gemeinsame Vergangenheit und der Verlust von Joseph verbinden die beiden Frauen auf eine stille, intensive Weise. Aus dieser geteilten Erinnerung heraus entsteht eine vorsichtige Nähe, die mehr von Andeutung als von offenen Worten lebt.

Der Roman gewährt tiefe Einblicke in Ivys Innenwelt: ihre Gedanken, Zweifel, Sehnsüchte und Ängste werden feinfühlig geschildert, oft nur angedeutet statt klar ausgesprochen. Genau darin liegt die besondere Atmosphäre des Buches. Der poetische, fast schwebende Schreibstil verzichtet weitgehend auf direkte Rede und verlangt hohe Aufmerksamkeit. Man liest langsam, hält inne, blättert zurück – nicht aus Unverständnis, sondern um die leisen Zwischentöne wirklich zu erfassen. Dennoch bleiben Ivy und Frances dadurch stellenweise auf Distanz, fast wie Figuren hinter einem Schleier.

Besonders positiv hervorzuheben ist das Cover, das wie ein Gemälde wirkt: ruhig, ästhetisch und voller Stimmung. Es fängt die Melancholie und Tiefe der Geschichte wunderbar ein und bereitet bereits vor dem Lesen auf den literarischen Ton des Romans vor.

Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die einen anspruchsvollen, poetischen Stil schätzen und bereit sind, sich auf eine ruhige, introspektive Erzählweise einzulassen. Wer Literatur mag, die mehr fühlen lässt als erklärt, wird hier fündig. Mir persönlich war es oft zu ruhig und zu unaufgeregt,