Unglaubwürdige Lebensgeschichte mit etlichen schiefen Metaphern
Die Lebensgeschichte einer Frau, die ziellos durchs Leben taumelt und erst am Ende Erfüllung und Glück findet, als sie zu sich steht
Leider habe ich zu diesem Buch keinen Zugang gefunden: zu viel Esoterisches, zu viele religiöse Anspielungen, zu unglaubwürdig die Personen und deren Handlungen in ihrer Zeit, zu widersprüchlich die Sprache: mal beeindruckende Wortbilder, mal schiefe Metaphern.
Die 80-jährige Ivy schaut auf ihr Leben zurück, was uns die Autorin an sechs ausgewählten Tagen ihres Lebens vermittelt, alle im April, zur Osterzeit, nicht zufällig so gewählt, dieser christlich so bedeutsame Tag. In einer Art Gedankenstrom, in unermüdlichem Kreisen um sich selbst nehmen wir am chaotischen Leben von Ivy teil, ein Leben, das von Brüchen gezeichnet ist, bei dem nur Ivy wichtig zu sein scheint, ihre Gedanken, ihr Erleben, ihre Gefühle. Andere und anderes kommen kaum vor, ihr Mann, ihre beiden Töchter, die Zeit des Krieges, Bomben und Hunger. All dies scheint mehr oder weniger spurlos an Ivy vorüberziehen.
In einem chaotischen Künstlerhaushalt aufgewachsen weiß sie mit 19 Jahren noch nicht, was sie mal machen oder werden will: tanzen, singen oder doch lieber Spionin sein. Als ihr geliebter Bruder Joseph im Fluss ertrinkt und seine Leiche nie gefunden wird, findet sie Halt beim 25 Jahre älteren Freund der Familie, ‘Bear’ genannt, hat am Begräbnistag ersten Sex mit ihm, was mich als Leserin den Kopf hat schütteln lassen, auch über das Licht, das Ivy im Fluss gesehen hat und dass im weiteren Erzählen immer wieder erwähnt wird.
Wem diese Erzählweise bis dahin gefällt, der sollte verstärkt auf Symbolik achten, nicht nur das übliche Wettergeschehen, sondern vor allem Christliches, Religiöses. Es scheint also, dass die Autorin nicht nur die Konstruktion des Buches, sondern auch diesen Aspekt sorgfältig geplant hat. Ebenso kann man darauf achten, ob Ivy Zeit ihres Lebens Schuldgefühle hat oder nicht.
Mir scheint, sie irrte planlos durch die Zufälle ihres Lebens oder ließ sich führen ‘wie ein Hund, wie eine Elfe (127). Die Ehe mit ‘Bear’, zwei Töchter, Kriegszeiten, all das wird nebenbei erwähnt, spielt kaum eine Rolle, wohl aber Ivys Versuche, durch das Lesen frommer Bücher ‘ihr Herz zu Gott zu erheben, ihr irdisches Leben auf eine göttliche Ebene zu heben’ (145), was für mich nach unglaubwürdiger Phrasendrescherei klingt. Sonst habe sie ‘in der Welt keine Ambitionen mehr (171). Und das mit 25!
Zufälligerweise trifft sie Frances wieder, die Verlobte ihres verstorbenen Bruders und beginnt eine Affäre mit ihr. Die endet, als Frances mit Mann und Kind nach Schottland zieht. Nach dem Tod von ‘Bear’ treffen sie sich wieder, aber Frances steht weiter zu Mann und Tochter und lässt Ivy verzweifelt und einsam zurück.
Wieder durch Zufall gerät sie in eine Kirche, nimmt an einem Ritual teil und wir finden sie einige Zeit später als Nonne in einem Kloster wieder. Nicht nur wird das dem Leser nicht nachvollziehbar erklärt, sondern man wird wieder mit religiöser Phrasendrescherei überschüttet:
‘Sie hatte gesehen, wie Gott sich über die Stille erhob, wie ein Vogel…’ (243) - ‘Die Liebe Gottes ist unendlich… Sie ist alles.’ (249) - die frisch gewaschenen Bettlaken im Lichte Gottes gebadet.’ (257)
Als ihre Mutter im Sterben liegt und sie über London dorthin reist, kommt sie an Frances Wohnung vorbei, trifft sie und ‘spürt das Verlangen, das wieder in ihr aufstieg’ (265), was ebenso trivial klingt wie ‘das Stoßen und Ziehen von Gottes Präsenz’ (267) merkwürdig.
Und wieder trifft sie eine unmotivierte Entscheidung, auf einem Zufall beruhend, die aber diesmal das Richtige zu sein scheint: sie lebt fortan mit Frances zusammen. Aber auch Gott ist ihr weiterhin ‘nah, direkt neben ihrem Ellenbogen’ (301) ;-)
Für mich ist es die Geschichte einer Frau, die ziellos durchs Leben taumelt, verschiedene Lebensentwürfe ausprobiert, die sich zufällig ergeben und die erst am Ende ihr Glück in der Beziehung mit Frances findet.
Fazit
Leider kann ich diesem Buch nichts abgewinnen; ich fand keinen Zugang, kann nichts daraus mitnehmen, weder Einsichten noch bloße Unterhaltung. Der langweilige Einstieg, das fortwährende Kreisen um sich selbst, die unmotivierten Zufallsentscheidungen, das Religiöse, haben es mir ebenso schwer gemacht wie die stilistischen Schnitzer, die schrägen Metaphern wie z.B. ‘Sie fühlte sich wie ein Sammelsurium von Gliedmaßen’ (24) oder ‘schimmernde Glaskugeln, die wie Zwiebeln von der Decke hängen’ (94). Da vermischt die Autorin Bilder, die nicht zusammenpassen und von denen einige unfreiwillig komisch wirken.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich das sprachmächtige Talent der Autorin nicht überlesen kann. Es gibt auch Szenen und Situationen, die stimmungsvoll, atmosphärisch oder mit Feingefühl gezeichnet sind, z.B. eine Liebesszene zwischen ihr und Frances (182/3). Auch die Konstruktion, Ivys Leben in sechs ausgewählten Tagen zu erzählen, ist eine gute Idee. Wegen dieser positiven Aspekte runde ich die 2,5 Sterne auf 3 auf.
Leider habe ich zu diesem Buch keinen Zugang gefunden: zu viel Esoterisches, zu viele religiöse Anspielungen, zu unglaubwürdig die Personen und deren Handlungen in ihrer Zeit, zu widersprüchlich die Sprache: mal beeindruckende Wortbilder, mal schiefe Metaphern.
Die 80-jährige Ivy schaut auf ihr Leben zurück, was uns die Autorin an sechs ausgewählten Tagen ihres Lebens vermittelt, alle im April, zur Osterzeit, nicht zufällig so gewählt, dieser christlich so bedeutsame Tag. In einer Art Gedankenstrom, in unermüdlichem Kreisen um sich selbst nehmen wir am chaotischen Leben von Ivy teil, ein Leben, das von Brüchen gezeichnet ist, bei dem nur Ivy wichtig zu sein scheint, ihre Gedanken, ihr Erleben, ihre Gefühle. Andere und anderes kommen kaum vor, ihr Mann, ihre beiden Töchter, die Zeit des Krieges, Bomben und Hunger. All dies scheint mehr oder weniger spurlos an Ivy vorüberziehen.
In einem chaotischen Künstlerhaushalt aufgewachsen weiß sie mit 19 Jahren noch nicht, was sie mal machen oder werden will: tanzen, singen oder doch lieber Spionin sein. Als ihr geliebter Bruder Joseph im Fluss ertrinkt und seine Leiche nie gefunden wird, findet sie Halt beim 25 Jahre älteren Freund der Familie, ‘Bear’ genannt, hat am Begräbnistag ersten Sex mit ihm, was mich als Leserin den Kopf hat schütteln lassen, auch über das Licht, das Ivy im Fluss gesehen hat und dass im weiteren Erzählen immer wieder erwähnt wird.
Wem diese Erzählweise bis dahin gefällt, der sollte verstärkt auf Symbolik achten, nicht nur das übliche Wettergeschehen, sondern vor allem Christliches, Religiöses. Es scheint also, dass die Autorin nicht nur die Konstruktion des Buches, sondern auch diesen Aspekt sorgfältig geplant hat. Ebenso kann man darauf achten, ob Ivy Zeit ihres Lebens Schuldgefühle hat oder nicht.
Mir scheint, sie irrte planlos durch die Zufälle ihres Lebens oder ließ sich führen ‘wie ein Hund, wie eine Elfe (127). Die Ehe mit ‘Bear’, zwei Töchter, Kriegszeiten, all das wird nebenbei erwähnt, spielt kaum eine Rolle, wohl aber Ivys Versuche, durch das Lesen frommer Bücher ‘ihr Herz zu Gott zu erheben, ihr irdisches Leben auf eine göttliche Ebene zu heben’ (145), was für mich nach unglaubwürdiger Phrasendrescherei klingt. Sonst habe sie ‘in der Welt keine Ambitionen mehr (171). Und das mit 25!
Zufälligerweise trifft sie Frances wieder, die Verlobte ihres verstorbenen Bruders und beginnt eine Affäre mit ihr. Die endet, als Frances mit Mann und Kind nach Schottland zieht. Nach dem Tod von ‘Bear’ treffen sie sich wieder, aber Frances steht weiter zu Mann und Tochter und lässt Ivy verzweifelt und einsam zurück.
Wieder durch Zufall gerät sie in eine Kirche, nimmt an einem Ritual teil und wir finden sie einige Zeit später als Nonne in einem Kloster wieder. Nicht nur wird das dem Leser nicht nachvollziehbar erklärt, sondern man wird wieder mit religiöser Phrasendrescherei überschüttet:
‘Sie hatte gesehen, wie Gott sich über die Stille erhob, wie ein Vogel…’ (243) - ‘Die Liebe Gottes ist unendlich… Sie ist alles.’ (249) - die frisch gewaschenen Bettlaken im Lichte Gottes gebadet.’ (257)
Als ihre Mutter im Sterben liegt und sie über London dorthin reist, kommt sie an Frances Wohnung vorbei, trifft sie und ‘spürt das Verlangen, das wieder in ihr aufstieg’ (265), was ebenso trivial klingt wie ‘das Stoßen und Ziehen von Gottes Präsenz’ (267) merkwürdig.
Und wieder trifft sie eine unmotivierte Entscheidung, auf einem Zufall beruhend, die aber diesmal das Richtige zu sein scheint: sie lebt fortan mit Frances zusammen. Aber auch Gott ist ihr weiterhin ‘nah, direkt neben ihrem Ellenbogen’ (301) ;-)
Für mich ist es die Geschichte einer Frau, die ziellos durchs Leben taumelt, verschiedene Lebensentwürfe ausprobiert, die sich zufällig ergeben und die erst am Ende ihr Glück in der Beziehung mit Frances findet.
Fazit
Leider kann ich diesem Buch nichts abgewinnen; ich fand keinen Zugang, kann nichts daraus mitnehmen, weder Einsichten noch bloße Unterhaltung. Der langweilige Einstieg, das fortwährende Kreisen um sich selbst, die unmotivierten Zufallsentscheidungen, das Religiöse, haben es mir ebenso schwer gemacht wie die stilistischen Schnitzer, die schrägen Metaphern wie z.B. ‘Sie fühlte sich wie ein Sammelsurium von Gliedmaßen’ (24) oder ‘schimmernde Glaskugeln, die wie Zwiebeln von der Decke hängen’ (94). Da vermischt die Autorin Bilder, die nicht zusammenpassen und von denen einige unfreiwillig komisch wirken.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich das sprachmächtige Talent der Autorin nicht überlesen kann. Es gibt auch Szenen und Situationen, die stimmungsvoll, atmosphärisch oder mit Feingefühl gezeichnet sind, z.B. eine Liebesszene zwischen ihr und Frances (182/3). Auch die Konstruktion, Ivys Leben in sechs ausgewählten Tagen zu erzählen, ist eine gute Idee. Wegen dieser positiven Aspekte runde ich die 2,5 Sterne auf 3 auf.