Absolut magisch!

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lynn253 Avatar

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Ich bin absolut begeistert von Magdalena Gammels Tale of Sun and Night. Die Welt, die sie hier erschaffen hat, ist stellenweise komplex, aber unglaublich faszinierend – und vor allem sehr originell. Träume und Traumstaub spielen eine zentrale Rolle und Magie wird von Traumwebern in Form von Mandalas gewirkt. Dieses zunächst recht komplexe System wird nach und nach verständlich erklärt, ohne den Lesefluss zu stören. Die Hintergründe und Erklärungen haben sich für mich immer gut in den Handlungsfluss eingefügt.
Neben bekannten magischen Kreaturen wie Phönix oder Nachtmahr begegnet man auch ganz neuen Wesen. Beispielsweise gibt es Nugen, die als außergewöhnlich robuste Reittiere dienen. Auch die im Buch enthaltene Landkarte ist sehr schön gestaltet und für mich tatsächlich notwendig gewesen, um den Überblick zu behalten – gerade zu Beginn haben mich die vielen Ortsnamen etwas verwirrt.

Die Handlung war durchgehend spannend, mit mehreren überraschenden Wendungen. Besonders gefallen haben mir außerdem Sprache und Erzählstil. Für mich war es eine sehr gelungene Mischung aus bildhafter, stellenweise fast poetischer Sprache und der zugleich sarkastischen Perspektive der Protagonistin Lio.
Lio ist eine vielschichtige und eindrucksvolle Figur: mutig, zäh, hat Furchtbares erlebt und lässt sich nie unterkriegen. Ich fand gerade ihren inneren Konflikt – die Suche nach Freiheit, und Heimat; das Verarbeiten ihrer traumatischen Vergangenheit – sehr eindrücklich dargestellt.

Auch die Nebenfiguren sind unterschiedlich, lebendig und überzeugend ausgearbeitet.
Hervorheben möchte ich außerdem die Darstellung der Beziehung zwischen Lio und Izan. Am Anfang wirkt er ziemlich undurchschaubar und ich habe ihn nicht ganz einschätzen können. Im Laufe der Geschichte habe ich ihn dann aber als jemanden wahrgenommen, der Lio auf Augenhöhe begegnet, der ihre Stärke respektiert, von ihrem Kampfgeist beeindruckt ist, sie unterstützt und darin bestärkt ihre Kämpfe selbst auszutragen. Seine Einfühlsamkeit im Umgang mit ihren Traumata, seine Offenheit gegenüber seinen Gefühlen sowie seine Weigerung, Macht oder Manipulation auszunutzen, haben ihn für mich zu einer ungewöhnlich wohltuenden männlichen Hauptfigur gemacht.

Fazit: Ich bin absolut begeistert von Worldbuilding, Schreibstil und Figurenzeichnung und sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.