Vielverspechende Ansätze mit Luft nach oben

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
selena_riddle Avatar

Von

Tale of Sun and Night besticht durch ein sehr schönes Cover, welches mich sogleich neugierig auf die Geschichte gemacht hat. Der Vorsatz legt noch eine Schippe drauf und ist wunderschön. Im Nachsatz findet sich eine Karte der Welt, welche ich zur Orientierung oft herangezogen habe.

Nachdem der Klappentext eine epische Romantasy Geschichte versprach, war ich auch sogleich neugierig. Der Einstieg war auch derart spannend und fesselnd, dass es mich direkt von den Socken gehauen hat. Leider, muss ich sagen, flachte der vielversprechende Beginn dann doch recht schnell ab und ich kam ins struggeln.

Im Nachhinein betrachtet war ich irgendwo schon ab Seite 32 raus. Lio ist in einer gefährlichen und brenzligen Situation, wird aber natüüüürlich von der strahlenden Schönheit eines Fremden geblendet und hat nur Augen dafür. Das war in meinen Augen derart unpassend und fehl am Platz, sodass ich nicht nur mit den Augen rollen, sondern das Buch auch erstmal zur Seite legen musste. Lios Dasein als Sklavin hat mich anschließend auch nicht wirklich dazu gebracht, am Ball bleiben zu wollen. Ich habe dann nochmal über 100 Seiten gebraucht, um wieder in die Geschichte reinzufinden, aber bis zum Ende konnte sie mich nicht mehr wirklich catchen. Mir fiel es schwer am Ball zu bleiben und ich musste das Buch immer wieder zur Seite legen. Das war letztlich wohl mein Hauptproblem: Nach dem Bruch konnte mich die Geschichte einfach nicht mehr fesseln und das fand ich so schade, denn es gab so viele vielversprechende Ansätze.

Der Schreibstil war flüssig zu lesen, aber mir fehlte das malerische, das bildliche, denn vieles blieb mir verschlossen, da ich es mir einfach nicht vorstellen konnte. Die erschaffene Welt ist toll, gar keine Frage, sehr vielversprechend und mit großem Potential, jedoch hat sich mir nicht alles gänzlich erschlossen und ich habe mir nähere Ausführungen und Erklärungen gewünscht.

Die Protagonisten fand ich allesamt, bis auf eine Ausnahme, sehr vielversprechend. Und doch fehlte es mir an diversen Stellen an Tiefe. Lio hat mir gut gefallen, sie ist stark, tough und nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand. Dennoch bestand eine gewisse Distanz zu ihr, die ich bis zum Schluss nicht überwinden konnte. Manch Nebencharakter hätte mehr Aufmerksamkeit verdient.

Nach dem starken Anfang war das weitere Geschehen irgendwo zu viel. Lios Reise zieht sich gefühlt wie Kaugummi und während einzelne Orte und Ereignisse ausführlich, um nicht zu sagen ausschweifend, erzählt werden, blieb mir die eigentliche Handlung auf der Strecke, zumal viele Ereignisse die eigentliche Haupthandlung nicht voranbrachten. Somit zog es sich teilweise sehr und die Längen sorgten dafür, dass ich mich wirklich zwingen musste, das Buch zur Hand zu nehmen.

Mein persönliches Problem war aber schlicht und ergreifend die Liebesgeschichte. Ich habe sie nicht gefühlt. Sie hat sich in meinen Augen nicht in die Geschichte eingefügt und wirkte einfach deplatziert und fehl am Platz. Geschmäcker sind jedoch bekanntlich verschieden und ich kann auch verstehen, wenn diese auf Zuspruch stößt.

Mein Highlight war das Magiesystem. Das war wahrlich was Neues, originell und spannend. Diese Passagen habe ich gern gelesen, ebenso alles rund um Nyxan. Seine ganze Art und besonders sein Sarkasmus waren einfach zu köstlich.

Fazit:
Tale of Sun and Night glänzt mit vielversprechenden, aber ausbaufähigen Ansätzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch besonders in der jüngeren Altersgruppe auf viel Zuspruch trifft und begeistert, während es mich als erfahrene Fantasy-Leserin nicht gänzlich von sich überzeugen konnte.