Wenn der antike Heldenmythos auf den Prüfstand kommt

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Als Leserin spricht mich der Tonfall und der analytische Ansatz dieses Sachbuchs sofort an. Das Autorenduo Niklas Fischer und Hannes Liebrandt schafft hier einen erfreulich bodenständigen Spagat: Sie verfallen weder in reißerische True-Crime-Sensationslust noch in trockenes Universitätsdeutsch. Die Einleitung stellt unmissverständlich klar, worum es ihnen geht – nicht um bloße Gewaltschilderungen zur Unterhaltung, sondern um die kritische Frage, auf welchen Quellen unser historisches Wissen eigentlich beruht und wie Generationen danach bestimmte Taten umgedeutet oder instrumentalisiert haben.

Das erste Kapitel über Alexander den Großen illustriert diesen wissenschaftlich-kritischen Blickwinkel hervorragend: Statt den makedonischen Feldherrn schlicht als strahlenden Eroberer zu verherrlichen, beginnen die Autoren mit dem eskalierten Trinkgelage in Marakanda und dem Mord an seinem langjährigen Gefährten Kleitos. Anhand dieser Tat arbeiten sie die schleichende Entfremdung zwischen Alexander und seinen Männern heraus – getrieben von persönlicher Maßlosigkeit, dem Anspruch auf göttliche Verehrung und dem Bruch mit den eigenen Wurzeln.

Besonders stark ist, wie die Autoren die widersprüchlichen antiken Quellen (unter anderem Arrian, Curtius und Plutarch) direkt in die Erzählung einbinden und den Blick dafür schärfen, dass Begriffe wie „Held“ oder „Tyrann“ immer auch von Machtinteressen und Legendenbildung geprägt sind. Der Erzählstil liest sich flüssig, bildhaft und packend, ohne dass dabei die historische Distanz verloren geht. Ein vielversprechender Auftakt für alle, die Geschichte gerne hinterfragen und den Ursachen historischer Konflikte auf den Grund gehen.