Enttäuschung zwischen Kosmetik und Kaltem Krieg

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aischa Avatar

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Anfangs hat mich "Teddy" durchaus unterhalten – die Geschichte über eine seelisch kaputte US-amerikanische Diplomatengattin in Rom ist leicht erzählt, schnell zu lesen und schien mir anfangs genau die richtige Lektüre für zwischendurch. Doch je weiter ich in den Roman eintauchte, desto mehr stellte sich Ernüchterung ein.

Emily Dunlay schildert ihre Protagonistin mit einer fast schon pedantischen Liebe zum Detail – leider in den falschen Bereichen. Dass Teddy als verwöhnte Tochter aus reichem Hause nie gelernt hat, mit Geld umzugehen, ist plausibel und zunächst noch interessant. Dass sie jedoch ihre ganze Existenz als verheiratete Frau leichtfertig gefährdet, nur um ein Designerkleid zu besitzen, das ihre Mittel übersteigt, wirkt schon deutlich überzeichnet. Spätestens aber, als ganze Abschnitte immer und immer wieder von Lippenstiftfarben, Haarstylings und Kosmetikmarken dominiert werden, wurde die Lektüre für mich zunehmend anstrengend.

Enttäuschend fand ich vor allem die Entwicklung der Hauptfigur. Teddy bleibt viel zu lange in der Rolle des naiven Dummchens verhaftet, wie sie es selbst auf den Punkt bringt: „Und wir waren wie Schoßhündchen, überzüchtet, ohne eine Ahnung, wie wir alleine zurecht kommen sollten. Nutzlos, aber charmant, gut gepflegt. Unfähig, unseren eigenen Schlamassel zu beseitigen.“ Diese Selbsterkenntnis klingt zwar scharf, bleibt jedoch zu lange folgenlos – eine echte Entwicklung ist kaum zu erkennen.

Der Erzählstil könnte Spannung aufbauen, doch leider ist Teddy eine zu offensichtlich unzuverlässige Erzählerin, als dass hier der Twist gegen Ende noch große Überraschung bieten könnte.

Am meisten hat mich jedoch gestört, dass die wichtige Kritik an der misogynen Gesellschaft der 1960er Jahre allzu lieblos abgehandelt wird. Statt eine reflektierte Auseinandersetzung zu liefern, bleibt Dunlay bei oberflächlichen Anspielungen stehen. Auch die Beimischung einer Prise Spionagegeschichte aus dem Kalten Krieg wirkt eher wie ein dekoratives Stilmittel, das kaum organisch mit dem restlichen Plot verwoben ist.

Unterm Strich bleibt für mich ein Roman, der viel verspricht, aber wenig einlöst. Weder als literarische Kritik, noch als spannende Unterhaltung konnte mich Teddy überzeugen.