Ein edles Gewand für eine unzugängliche Geschichte
Was ich wirklich positiv hervorheben kann, ist die äußere Gestaltung des Buches. Schon beim Auspacken bemerkte ich, dass das Cover in der Realität noch viel schöner aussieht als auf den Abbildungen im Internet, obwohl mir schon dort die ästhetische Gestaltung aufgefallen war. Es wurde wunderbar griffiges, schönes Papier verwendet, und was ich besonders liebe: Das Buch besitzt ein fest fixiertes Lesebändchen aus Gewebe. Das alles lässt den Band sehr hochwertig und edel wirken.
Auch inhaltlich hat mich der Anfang des Romanes noch erreicht, obwohl mich als Leserin die ungewöhnliche Du-Perspektive der königlichen Beraterin und Gesellschaftsdame Gertrude Wolf auf den ersten Seiten zunächst befremdet hatte.
Umso mehr bedauere ich, dass mich der Roman im weiteren Verlauf so gar nicht mehr abholen konnte. Mein Hauptproblem sind die Figuren und der Schreibstil. Die Charaktere blieben für mich als Leserin schwer greifbar, denn sie wirkten auf mich meist blass und unnahbar.
Zudem verlor sich die Erzählung nach meinem Empfinden in unzähligen Sätzen darin, Lokalitäten, Strände, Bäche und Flüsse namentlich aufzuzählen. Da ich noch nie auf Hawaii war, sagen mir diese Orte natürlich gar nichts. Falls die Schauplätze beschrieben werden, wirkte das auf mich meist nur langatmig. An vielen Stellen blieben Lokalitäten für mein Gefühl leider nur reines "Name-Dropping" ohne jede Kulisse.
Zu dieser geografischen Namensflut gesellten sich dann noch unzählige Charaktere. Das Personenregister am Anfang führte in der Praxis bei mir leider nur zu einem ständigen, nervigen Vor- und Zurückblättern, was meinen Lesefluss komplett gestört hat.
Hinzu kommt, dass plötzlich Dinge passieren, die meines Erachtens im Text überhaupt nicht vorbereitet wurden. An manchen Stellen blieb es für mich auch unklar, wer gerade im Roman spricht.
Auf mich wirkte der Text wie ein verkopftes Labyrinth, in dem ich mich nur schwer zurecht fand. Ein Beispiel ist die plötzliche Erwähnung einer „Prinzessin Beatrice“, die sich weiter unten als 100-jährige Schildkröte entpuppt. Was wohl ein Augenzwinkern sein soll, erzeugte bei mir persönlich nur noch mehr Unwillen.
Die immense Mitarbeit der Leserschaft wird aus meiner Sicht noch auf einer weiteren Ebene eingefordert, denn im Text werden immer wieder ganze Sätze auf Hawaiisch eingestreut. Der Verlag hat hierbei jedoch komplett auf Übersetzungen, Fußnoten oder ein erklärendes Glossar verzichtet. Ich persönlich habe beim Lesen von rund 480 Seiten nicht die Zeit, ständig das Smartphone zu nutzen, um wegen der besonderen Schreibweise der hawaiischen Sprache mühsam Sätze im Internet zu übersetzen.
Mir ist bekannt, dass Sabrina Janesch sehr tief in den Archiven gräbt, um einen Roman zu schreiben. Wenn sie dann aber jedes historische oder geografische Detail unterbringen will, wirkt der Text auf mich zwar sehr ambitioniert, aber eben auch schnell überfrachtet und leblos.
Dennoch habe ich ein paar Dinge über das damalige Hawaii erfahren: Zum Beispiel war mir die widersprüchliche Rolle der deutschen Einwanderer in diesem Konflikt unbekannt.
Des Weiteren wusste ich nicht, dass die Frauenrechte in Hawaii weiterentwickelt waren als in Europa und den USA. Aber es wäre bequemer für mich gewesen, dies aus einem übersichtlichen Sachbuch zu erfahren.
Daher frage ich mich unweigerlich: Für wen ist dieser Roman geschrieben? Vermutlich für jemanden, der Hawaii wie seine Westentasche kennt und diese Orte im Kopf selbst mit Leben füllen kann. Die Autorin hilft mir dabei leider nur bedingt.
Ich bedauere diese Unzugänglichkeit zutiefst, denn die Geschichte der Annexion Hawaiis durch die USA ist eine bis heute anhaltende Tragödie. Der Roman führt im Prinzip den skrupellosen Imperialismus dieser Zeit vor Augen – den Beginn des Hotelbaus und den gierigen Blick auf den Dollar. Es ist der Anfang einer ruchlosen Ausbeutung, in der ein irdisches Paradies durch rücksichtslose Monokulturen und spätere militärische Zerstörung systematisch und unumkehrbar vernichtet wurde. Dies führte dazu, dass die Urbevölkerung sich das Leben dort heute nicht mehr leisten kann.
Dieses Buch behandelt ein Thema, das ein wichtiges Mahnmal sein sollte, und ich wünsche der Geschichte von Herzen viele Leser, auch wenn der Funke bei mir persönlich leider nicht übergesprungen ist.
Auch inhaltlich hat mich der Anfang des Romanes noch erreicht, obwohl mich als Leserin die ungewöhnliche Du-Perspektive der königlichen Beraterin und Gesellschaftsdame Gertrude Wolf auf den ersten Seiten zunächst befremdet hatte.
Umso mehr bedauere ich, dass mich der Roman im weiteren Verlauf so gar nicht mehr abholen konnte. Mein Hauptproblem sind die Figuren und der Schreibstil. Die Charaktere blieben für mich als Leserin schwer greifbar, denn sie wirkten auf mich meist blass und unnahbar.
Zudem verlor sich die Erzählung nach meinem Empfinden in unzähligen Sätzen darin, Lokalitäten, Strände, Bäche und Flüsse namentlich aufzuzählen. Da ich noch nie auf Hawaii war, sagen mir diese Orte natürlich gar nichts. Falls die Schauplätze beschrieben werden, wirkte das auf mich meist nur langatmig. An vielen Stellen blieben Lokalitäten für mein Gefühl leider nur reines "Name-Dropping" ohne jede Kulisse.
Zu dieser geografischen Namensflut gesellten sich dann noch unzählige Charaktere. Das Personenregister am Anfang führte in der Praxis bei mir leider nur zu einem ständigen, nervigen Vor- und Zurückblättern, was meinen Lesefluss komplett gestört hat.
Hinzu kommt, dass plötzlich Dinge passieren, die meines Erachtens im Text überhaupt nicht vorbereitet wurden. An manchen Stellen blieb es für mich auch unklar, wer gerade im Roman spricht.
Auf mich wirkte der Text wie ein verkopftes Labyrinth, in dem ich mich nur schwer zurecht fand. Ein Beispiel ist die plötzliche Erwähnung einer „Prinzessin Beatrice“, die sich weiter unten als 100-jährige Schildkröte entpuppt. Was wohl ein Augenzwinkern sein soll, erzeugte bei mir persönlich nur noch mehr Unwillen.
Die immense Mitarbeit der Leserschaft wird aus meiner Sicht noch auf einer weiteren Ebene eingefordert, denn im Text werden immer wieder ganze Sätze auf Hawaiisch eingestreut. Der Verlag hat hierbei jedoch komplett auf Übersetzungen, Fußnoten oder ein erklärendes Glossar verzichtet. Ich persönlich habe beim Lesen von rund 480 Seiten nicht die Zeit, ständig das Smartphone zu nutzen, um wegen der besonderen Schreibweise der hawaiischen Sprache mühsam Sätze im Internet zu übersetzen.
Mir ist bekannt, dass Sabrina Janesch sehr tief in den Archiven gräbt, um einen Roman zu schreiben. Wenn sie dann aber jedes historische oder geografische Detail unterbringen will, wirkt der Text auf mich zwar sehr ambitioniert, aber eben auch schnell überfrachtet und leblos.
Dennoch habe ich ein paar Dinge über das damalige Hawaii erfahren: Zum Beispiel war mir die widersprüchliche Rolle der deutschen Einwanderer in diesem Konflikt unbekannt.
Des Weiteren wusste ich nicht, dass die Frauenrechte in Hawaii weiterentwickelt waren als in Europa und den USA. Aber es wäre bequemer für mich gewesen, dies aus einem übersichtlichen Sachbuch zu erfahren.
Daher frage ich mich unweigerlich: Für wen ist dieser Roman geschrieben? Vermutlich für jemanden, der Hawaii wie seine Westentasche kennt und diese Orte im Kopf selbst mit Leben füllen kann. Die Autorin hilft mir dabei leider nur bedingt.
Ich bedauere diese Unzugänglichkeit zutiefst, denn die Geschichte der Annexion Hawaiis durch die USA ist eine bis heute anhaltende Tragödie. Der Roman führt im Prinzip den skrupellosen Imperialismus dieser Zeit vor Augen – den Beginn des Hotelbaus und den gierigen Blick auf den Dollar. Es ist der Anfang einer ruchlosen Ausbeutung, in der ein irdisches Paradies durch rücksichtslose Monokulturen und spätere militärische Zerstörung systematisch und unumkehrbar vernichtet wurde. Dies führte dazu, dass die Urbevölkerung sich das Leben dort heute nicht mehr leisten kann.
Dieses Buch behandelt ein Thema, das ein wichtiges Mahnmal sein sollte, und ich wünsche der Geschichte von Herzen viele Leser, auch wenn der Funke bei mir persönlich leider nicht übergesprungen ist.