Ein Land, das sich nicht stehlen lässt – und ein Roman, der fordert
„Territorium“ von Sabrina Janesch ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es ist ein Roman, der etwas abverlangt – sprachlich, strukturell und emotional. Und genau das macht ihn sowohl besonders als auch stellenweise schwer zugänglich.
Die Handlung spielt in Hawaiʻi zwischen 1893 und 1895, in den letzten Tagen der Monarchie unter Königin Liliʻuokalani. Amerikanische Großkapitalisten inszenieren einen Staatsstreich, bereiten die Annexion durch die USA vor – und ein ganzes Land wird Stück für Stück enteignet. Janesch erzählt dies nicht als trockene Geschichtsstunde, sondern durch die Augen dreier Frauen: der Königin selbst, ihrer deutschen Vertrauten Gertrude Wolf und der Journalistin Emma Nāwahī.
Doch hier beginnt auch meine größte Irritation: Obwohl das Buch explizit mit starken Frauenfiguren wirbt, wird ihre Perspektive immer wieder aufgebrochen – durch zahlreiche Nebenfiguren, durch politische Exkurse und vor allem durch die wiederkehrende „Du“-Erzählung. Diese direkte Ansprache wirkt stellenweise befremdlich und unterbricht den Lesefluss. Statt tiefer Identifikation entsteht Distanz.
Positiv hervorheben muss ich die beeindruckende Recherche. Janesch hat vergessene Namen und Ereignisse mühsam rekonstruiert – von diplomatischen Manövern bis zu persönlichen Schicksalen innerhalb der deutschen Community Hawaiʻis. Der Anhang liest sich fast wie ein eigenes kleines Sachbuch und zeigt, wie viel Arbeit in diesem Roman steckt.
Dennoch: Wer historische Romane vor allem wegen ihrer emotionalen Nähe zu einzelnen Personen liest, könnte enttäuscht werden. Die Fülle an Figuren und die lyrisch-dichte Sprache machen es schwer, eine durchgängige Bindung aufzubauen. Erst im zweiten Teil gewinnt die Erzählung an Fahrt, der dritte Abschnitt bietet dann tatsächlich Spannung pur.
Fazit: „Territorium“ ist ein wichtiges, mutiges Buch – ein Denkmal für widerständige Frauen und ein warnendes Zeitbild über Macht, Gier und koloniale Aneignung. Es lohnt sich, aber es ist nichts für Leser, die leichte, unterhaltsame Kost erwarten.
Die Handlung spielt in Hawaiʻi zwischen 1893 und 1895, in den letzten Tagen der Monarchie unter Königin Liliʻuokalani. Amerikanische Großkapitalisten inszenieren einen Staatsstreich, bereiten die Annexion durch die USA vor – und ein ganzes Land wird Stück für Stück enteignet. Janesch erzählt dies nicht als trockene Geschichtsstunde, sondern durch die Augen dreier Frauen: der Königin selbst, ihrer deutschen Vertrauten Gertrude Wolf und der Journalistin Emma Nāwahī.
Doch hier beginnt auch meine größte Irritation: Obwohl das Buch explizit mit starken Frauenfiguren wirbt, wird ihre Perspektive immer wieder aufgebrochen – durch zahlreiche Nebenfiguren, durch politische Exkurse und vor allem durch die wiederkehrende „Du“-Erzählung. Diese direkte Ansprache wirkt stellenweise befremdlich und unterbricht den Lesefluss. Statt tiefer Identifikation entsteht Distanz.
Positiv hervorheben muss ich die beeindruckende Recherche. Janesch hat vergessene Namen und Ereignisse mühsam rekonstruiert – von diplomatischen Manövern bis zu persönlichen Schicksalen innerhalb der deutschen Community Hawaiʻis. Der Anhang liest sich fast wie ein eigenes kleines Sachbuch und zeigt, wie viel Arbeit in diesem Roman steckt.
Dennoch: Wer historische Romane vor allem wegen ihrer emotionalen Nähe zu einzelnen Personen liest, könnte enttäuscht werden. Die Fülle an Figuren und die lyrisch-dichte Sprache machen es schwer, eine durchgängige Bindung aufzubauen. Erst im zweiten Teil gewinnt die Erzählung an Fahrt, der dritte Abschnitt bietet dann tatsächlich Spannung pur.
Fazit: „Territorium“ ist ein wichtiges, mutiges Buch – ein Denkmal für widerständige Frauen und ein warnendes Zeitbild über Macht, Gier und koloniale Aneignung. Es lohnt sich, aber es ist nichts für Leser, die leichte, unterhaltsame Kost erwarten.