Mit ungewöhnlichem Schreibstil die Geschichte von Hawaii erforscht

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Um ehrlich zu sein hatte ich mir bisher nie Gedanken über die Geschichte von Hawaii gemacht. Wie andere Staaten von den USA annektiert wurden, ist grob bekannt, aber mir kam nie der Gedanke, dass Hawaii ja schon eine intakte Monarchie war, bevor die Amerikaner kamen! Darum hat mich das Buch auch direkt angesprochen, und das obwohl ich eigentlich überhaupt keine historischen Romane lese. Tatsächlich war es inhaltlich auch sehr politisch und kriegsstrategisch. Diese Passagen sind mir schwergefallen, weil es einfach nicht mein oberstes Interessengebiet ist. Umso mehr habe ich den Einblick in die komplexen gesellschaftlichen Themen und die Charakterdynamiken geschätzt - besonders natürlich die der drei Freundinnen, die alle unterschiedlich mit der Bedrohung ihrer Heimat umgegangen sind. Ein Buch ist gut geschrieben, wenn man quasi fast alle Haltungen nachvollziehen und gleichzeitig gut und schlecht finden kann. Denn das ist auch das komplexe an der Situation in Hawaii 1893. Aufgeben, um die Menschen des geliebten Volkes zu verschonen, oder Menschenleben opfern, um das geliebte Land und die eigenen Rechte ebendort zu erhalten? Ich habe keine Antwort darauf, wäre aufgeschmissen. Bin Gertrude im Herzen, aber wohl eher Emma im Kopf. Dass gerade dieser stets existente Zwiespalt im Mittelpunkt der finalen Schlacht steht, hat mich auch positiv überrascht, denn sonst kennt man bei Kriegsgeschichte hauptsächlich furchtbare Grausamkeiten. Hier gab es eher viel Zweifeln, Selbsthass, Reflektion (auf Seiten der Rebell*innen). Auch krass wie fortschrittlich das königliche Hawaii in Sachen Feminismus schon war - und nicht auszudenken, welchen Schritt zurück die wahrscheinlich nach der Annexion gemacht haben werden. Ebenfalls anders als bei anderen historischen Romanen: der Schreibstil. Es wird mit ungewöhnlichen Perspektiven, rasanten Schachtelsätzen und teils trippy Szenen experimentiert, was ich feiere, aber wo ich auch glaube, dass es eingefleischte Historienfans abschrecken könnte. Punktabzug von mir dafür, dass ich mich mal wieder ertappt und verraten in Sachen Cover fühle. Beim ersten Anblick dachte ich: "Schönstes Cover der Welt." Beim Blick ins Kleingedruckte sah ich: "KI". Leider ein Downer.
Ansonsten ein schöner, lehrreicher Ausflug in unbekannte Gefilde für mich - sowohl genretechnisch als auch beim Setting.