Voller Intrigen und psychologischer Tiefe
Hinter den efeubewachsenen Mauern der traditionsreichen Tiffin Academy in New England scheint die Zeit stillzustehen – und doch steht plötzlich alles auf dem Spiel. In ihrem gemeinsamen Debüt „The Academy“ entwerfen die Bestsellerautorin Elin Hilderbrand und ihre Tochter Shelby Cunningham ein atmosphärisch dichtes Porträt einer Elite-Institution, die zwischen glanzvollem Schein und moralischen Abgründen schwankt.
Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag, der die Flure der 114 Jahre alten Schule erschüttert: Völlig überraschend katapultiert sich die Tiffin Academy auf den zweiten Platz des landesweiten Internats-Rankings. Ein Erfolg, der für Schulleiterin Audre Robinson – die als erste Frau und Person of Color an der Spitze steht – ebenso schmeichelhaft wie rätselhaft ist. Denn während die Fassade glänzt und die Partys legendär sind, bröckelt es im Inneren gewaltig: Renovierungsstau, sportliche Misserfolge und ein dunkler Schatten, den der Suizid einer Schülerin im Vorjahr hinterlassen hat, prägen die Realität.
Das Autorenduo nutzt die Expertise von Shelby Cunningham, die selbst ein Internat besuchte, um dieses Spannungsfeld authentisch zum Leben zu erwecken. Es entsteht ein lebendiges, fast greifbares Bild des Campus-Alltags, in dem der Druck auf die Schülerinnen und Schüler – sowie auf das Lehrpersonal – omnipräsent ist. Gesprochen von Sandra Voss, die hier wieder einen großartigen Job gemacht hat. Ich liebe ihre Stimmfarbe und wie sie es mit pointierten Pausen schafft, eine gewisse Spannung aufkommen zu lassen.
Die Erzählweise ist so komplex wie das soziale Gefüge der Schule selbst. In einem rasanten Wechsel der Perspektiven blicken wir hinter die Masken von Schülern, Lehrern und verzweifelten Eltern. Dieses literarische Kaleidoskop macht deutlich: An der Tiffin Academy wird man nach Taten bewertet, wenn man ein Junge ist – und danach, wie man dabei aussieht, wenn man ein Mädchen ist. Doch die mühsam aufrechterhaltene Ordnung bricht zusammen, als eine anonyme App auftaucht. Was als digitaler Klatsch beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Flächenbrand aus Enthüllungen. Von verbotenen Affären über Korruptionsvorwürfe bis hin zu psychischen Krisen und dem Einsatz von KI bei Hausaufgaben – die App lässt kein Tabu aus. Die Grenzen zwischen Freundschaft und Verrat verschwimmen, während der soziale Status zur gefährlichen Währung wird.
Stilistisch fangen Hilderbrand und Cunningham den Zeitgeist perfekt ein. Die Sprache ist modern, durchzogen von jugendlichen Einflüssen und einer Prise Humor, die die teils schweren Themen wie Essstörungen oder Machtmissbrauch geschickt auffängt. Zwar erfordert die Vielzahl der Charaktere zu Beginn etwas Konzentration – ein Personenregister hilft hier glücklicherweise aus –, doch belohnt der Roman mit einer subtilen Spannung, die im Mittelteil massiv an Fahrt aufnimmt.
Fazit: „The Academy“ ist mehr als ein klassischer Internatsroman. Es ist eine scharfsinnige Beobachtung über das Erwachsenwerden in einer Welt der Privilegien, über die Einsamkeit hinter teuren Internatstüren und über den mutigen Kampf einer Schulleiterin um die Integrität ihrer Schule. Wer atmosphärische Geschichten voller Intrigen und psychologischer Tiefe liebt, wird die Tiffin Academy mit einem wehmütigen Seufzer verlassen, wenn die letzte Seite umgeschlagen bzw. die letzte Silbe gesprochen ist.
Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag, der die Flure der 114 Jahre alten Schule erschüttert: Völlig überraschend katapultiert sich die Tiffin Academy auf den zweiten Platz des landesweiten Internats-Rankings. Ein Erfolg, der für Schulleiterin Audre Robinson – die als erste Frau und Person of Color an der Spitze steht – ebenso schmeichelhaft wie rätselhaft ist. Denn während die Fassade glänzt und die Partys legendär sind, bröckelt es im Inneren gewaltig: Renovierungsstau, sportliche Misserfolge und ein dunkler Schatten, den der Suizid einer Schülerin im Vorjahr hinterlassen hat, prägen die Realität.
Das Autorenduo nutzt die Expertise von Shelby Cunningham, die selbst ein Internat besuchte, um dieses Spannungsfeld authentisch zum Leben zu erwecken. Es entsteht ein lebendiges, fast greifbares Bild des Campus-Alltags, in dem der Druck auf die Schülerinnen und Schüler – sowie auf das Lehrpersonal – omnipräsent ist. Gesprochen von Sandra Voss, die hier wieder einen großartigen Job gemacht hat. Ich liebe ihre Stimmfarbe und wie sie es mit pointierten Pausen schafft, eine gewisse Spannung aufkommen zu lassen.
Die Erzählweise ist so komplex wie das soziale Gefüge der Schule selbst. In einem rasanten Wechsel der Perspektiven blicken wir hinter die Masken von Schülern, Lehrern und verzweifelten Eltern. Dieses literarische Kaleidoskop macht deutlich: An der Tiffin Academy wird man nach Taten bewertet, wenn man ein Junge ist – und danach, wie man dabei aussieht, wenn man ein Mädchen ist. Doch die mühsam aufrechterhaltene Ordnung bricht zusammen, als eine anonyme App auftaucht. Was als digitaler Klatsch beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Flächenbrand aus Enthüllungen. Von verbotenen Affären über Korruptionsvorwürfe bis hin zu psychischen Krisen und dem Einsatz von KI bei Hausaufgaben – die App lässt kein Tabu aus. Die Grenzen zwischen Freundschaft und Verrat verschwimmen, während der soziale Status zur gefährlichen Währung wird.
Stilistisch fangen Hilderbrand und Cunningham den Zeitgeist perfekt ein. Die Sprache ist modern, durchzogen von jugendlichen Einflüssen und einer Prise Humor, die die teils schweren Themen wie Essstörungen oder Machtmissbrauch geschickt auffängt. Zwar erfordert die Vielzahl der Charaktere zu Beginn etwas Konzentration – ein Personenregister hilft hier glücklicherweise aus –, doch belohnt der Roman mit einer subtilen Spannung, die im Mittelteil massiv an Fahrt aufnimmt.
Fazit: „The Academy“ ist mehr als ein klassischer Internatsroman. Es ist eine scharfsinnige Beobachtung über das Erwachsenwerden in einer Welt der Privilegien, über die Einsamkeit hinter teuren Internatstüren und über den mutigen Kampf einer Schulleiterin um die Integrität ihrer Schule. Wer atmosphärische Geschichten voller Intrigen und psychologischer Tiefe liebt, wird die Tiffin Academy mit einem wehmütigen Seufzer verlassen, wenn die letzte Seite umgeschlagen bzw. die letzte Silbe gesprochen ist.