Atmosphärisch erzählt, aber zu vorhersehbar

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mariehal Avatar

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Der Roman lebt eindeutig von seiner Sprache und der dichten Atmosphäre, die Lucy Steeds rund um das abgelegene Künstlerhaus in der Provence erschafft. Die sommerliche Hitze, das Licht, die Farben und die künstlerische Umgebung sind sehr bildhaft beschrieben und tragen die Geschichte über weite Strecken. Gerade diese sprachliche Qualität ist die größte Stärke des Buches und sorgt dafür, dass man zumindest atmosphärisch gut in die Welt eintauchen kann.

Inhaltlich konnte mich die Geschichte jedoch weniger überzeugen. Das zentrale Geheimnis, das sich um die Figuren und insbesondere um Ettie entfaltet, ist recht früh vorhersehbar und bietet wenig Überraschung. Leider fehlt dadurch ein echter Spannungsbogen, der einen konstant am Lesen hält. Stattdessen zieht sich die Handlung im Mittelteil deutlich, da sich viele Alltagsszenen wiederholen und nur wenig wirklich Neues passiert. Dadurch wirkt die Erzählung stellenweise zäh und verliert an Dynamik.

Auch die Auflösung lässt lange auf sich warten und kommt erst spät im Verlauf der Geschichte. Wenn sie dann schließlich erfolgt, bleibt sie eher unspektakulär und kann die zuvor entstandene Länge und das fehlende Tempo nicht ganz ausgleichen. Gerade bei einer so atmosphärisch aufgebauten Geschichte hätte ich mir hier mehr Spannung oder eine überraschendere Wendung gewünscht.

Die Figurenzeichnung ist solide, aber nicht durchgehend gleich stark. Während Ettie eine interessante, stille Präsenz hat, bleiben andere Charaktere eher blass und dienen mehr als Teil der Kulisse denn als wirklich treibende Kräfte der Handlung. Besonders der Erzähler Joseph wirkt stellenweise etwas distanziert und emotional wenig greifbar.

Unterm Strich bleibt ein Roman, der vor allem durch seine Sprache und Stimmung überzeugt, inhaltlich jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.