Aus dem Schatten ins Licht treten

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tsubame Avatar

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"The Artist" ist ein Buch, das wunderbar in den Sommer passt, denn es spielt im Süden Frankreichs, Sehnsuchts- und Schaffensort zahlreicher Künstler wie Cézanne, van Gogh oder Matisse. Sie alle waren auf der Suche nach Licht und Farbe, genau wie Édouard Tartuffe, der mit seiner Nichte seit Jahren abgeschottet in einem Landhaus wohnt.

Ettie, seine Nichte, führt ihm den Haushalt, besorgt die Lebensmittel für seine Bilder, kocht und putzt und lebt wie ein Schatten im Reich des berühmten und unberechenbaren Malers. Für sie selbst ist kein Platz neben dem großen Tartuffe, eigene Versuche, zu malen, wurden in der Vergangenheit rigoros unterbunden.

Eines Tages trifft Joseph, ein gescheiterter Kunststudent, in diesem Reich ein, der für eine Zeitung arbeitet und von dieser den Auftrag erhalten hat, hinter die Fassade des geheimnisvollen Tartuffe zu schauen und ihm seine Geheimnisse zu entlocken.

Als "Junger Mann mit Orange" muss Joseph dem Maler zunächst stundenlang Modell sitzen, ohne auch nur ansatzweise zu entschlüsseln, worin das Geheimnis des Künstlers liegt. Doch auch Ettie hat ein Geheimnis und je länger Joseph bei den beiden verbringt, umso mehr fühlt er sich zu dieser hingezogen. Ettie bringt ihm schließlich bei, richtig hinzusehen.

Der Roman ist ausgesprochen gut lesbar, schildert Farbe, Licht und Lebensmittel so eindrücklich, dass man selbst gerne zum Pinsel greifen würde oder doch wenigstens bei dem beschriebenen Festmahl dabei wäre. Das anfängliche Liebesgeplänkel zwischen Joseph und Ettie war mir mitunter zuviel des Guten, aber die Entwicklung der Protagonisten fand ich überzeugend und auch Etties Geheimnis hatte es in sich. Außerdem sind die geschichtlichen Hintergründe gut recherchiert, so dass man ein Bild davon bekommt, welche Rolle den Frauen zufiel, so talentiert sie auch sein mochten und obwohl sie - wie Ettie - sogar einen Maler zum Onkel hatten.

Für einen Erstling wirklich gelungen und eine durchaus lohnenswerte Sommerlektüre.