Der Meister des Lichts

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theresia626 Avatar

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In Lucy Steeds Roman “The Artist“ reist der Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 in die Provence, um den berühmten Maler Edouard Tartuffe zu treffen. Er will einen Artikel für die Zeitung “The Inkling“ schreiben. Doch der Maler weiß nichts von einer Einladung und beantwortet keine Fragen. Dafür darf Joseph eine Weile bleiben, um für das Gemälde “Junger Mann mit Orange“ Modell zu sitzen. Joseph schaut sich die Gemälde des Meisters an und beobachtet ihn bei der Arbeit. So sammelt er Material für mehrere Artikel. Allmählich kommen sich die beiden näher, und Joseph darf den Maler Tata nennen. Im Haus lebt auch Ettie, die junge Nichte des Malers, die alle anfallenden Arbeiten erledigt und den Meister schon seit ihrer Kindheit versorgt. Joseph erfährt ihre tragische Geschichte. Ettie und Joseph verlieben sich in einander, aber davon darf der Onkel nichts wissen. Dies ist nicht das einzige Geheimnis, das Ettie verbirgt.
Steeds bringt dem Leser in einer sehr poetischen Sprache die Welt der Malerei näher, vor allem die Rolle von Licht und Farben, und sie macht das so gut, dass ich kaum glauben konnte, dass dies ihr Debütroman ist. Sie kann sich in den Künstler hineinversetzen und macht deutlich, unter welchem Druck er steht, welchen Preis er für seinen Ruhm zahlt. Dabei kommen auch einige kuriose Details ans Licht. Für Tartuffe spielt grundsätzlich beim Essen nicht der Geschmack die wichtigste Rolle, sondern die äußere Gestalt. Für seine Gemälde wählt er zum Beispiel nicht perfekte Früchte aus, sondern solche, die bereits ihre Form verlieren, weil sie verfaulen. Jede Mahlzeit auf den Tellern der drei kann eine Inspiration für ein neues Bild werden, und Tata nimmt ihnen öfter die halbvollen Teller weg, um ein Kunstwerk zu schaffen.
Mich hat das Buch begeistert, und ich habe mich keinen Augenblick gelangweilt. Daher spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus.