Die Liebe, das Licht und die Kunst - mit Worten gemalt
Farben und Düfte der Provence, Liebe, Licht und Kunst, rätselvolle Spannung - Emanzipation der Frau - poetisch und atmosphärisch
Dieser Roman hat mich von Anfang an fasziniert. Er ist bunt und farbenfroh wie ein Gemälde, voller opulenter Sinneseindrücke, voller Licht und Farben - so wie man sich die Provence vorstellt.
Doch zuerst stehen wir 1957 mit einer Frau in der National Gallery in London und betrachten ein Bild. Man meint, der Prolog würde etwas verraten, aber er wirft mehr Fragen auf und macht den Roman dadurch von Anfang bis Ende rätselhaft und spannend.
Doch gehen wir zurück in der Zeit ins Jahr 1920 und reisen mit dem jungen angehenden Journalisten Joseph Adelaide von London in ein malerisches kleines Dorf, wo er den zurückgezogen lebenden Maler Édouard Tartuffe, ‘Tata’ genannt, treffen will, um einen Artikel über ihn zu schreiben. Dieser ‘Meister des Lichts’ ist ein egozentrischer alter Einsiedler und Menschenfeind, der allen Menschen unwirsch und barsch begegnet. Joseph darf auch nur bleiben, wenn er sich bereit erklärt, Modell zu sitzen. Das verlockt ihn nicht nur wegen des Artikels, sondern auch, weil die bisherigen Bilder des Malers keine Personen zeigten.
Nicht nur darüber schwebt ein Geheimnis, sondern auch über der Frage, warum der allseits gefeierte Maler, bekannt mit Cézanne und van Gogh, so plötzlich von Paris in eine abgelegene Gegend verschwunden ist. Dort kommt er nur zurecht, weil ihn seine Nichte Sylvette - Etti - wie ein unsichtbarer fürsorglicher Geist umschwebt und sich ihm und seinen Bedürfnissen völlig unterordnet: sie versorgt ihn und den ganzen Haushalt, wäscht seine Pinsel aus, ordnet die Farben und organisiert überhaupt sein ganzes Malerleben. Doch auch sie hat ein dunkles Geheimnis, das Josph durch Zufall entdeckt, obwohl er das Gesehene anfangs nicht einordnen kann. Etti und er fühlen sich voneinander angezogen und tun sich gegenseitig gut.
Ein kleineres Nebenthema sind die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges. Nicht nur Josephs Bruder Rupert hat dadurch ein schweres Trauma erlitten, sondern auch Etti kam in einem provisorischen Lazarett mit den Kriegsfolgen in Berührung. So idyllisch die Provence geschildert wird, so schockierend drastisch beschreibt die Autorin die Verletzten und Sterbenden, die Ettis Träume bevölkern.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Josephs und Ettis Perspektive erzählt und gewährt auch Einblicke in die Vergangenheit der beiden, so dass die Charaktere für den Leser mehr und mehr Tiefe und Konturen gewinnen.
Und dann gibt es eine Veränderung im Verhältnis der drei Personen zueinander und eine drastische Wendung. Mehr soll nicht verraten werden, nur so viel sei angedeutet: es geht auch um die Emanzipation und Befreiung der Frauen und ihre Rolle in der männlich dominierten Kunstwelt.
Fazit
Was für ein Debüt! Es ist nicht nur von interessanten Charakteren und einer spannenden Handlung geprägt, sondern vor allem von der unglaublich bildhaften und poetischen Sprache. Man spürt die flirrende Sommerhitze der Provence, riecht die reifen Pfirsiche und den Lavendel, aber auch die Ölfarben, man sieht den opulent gedeckten Tisch und meint, dabei zu sein - ein Gemälde in Worten, das einen zudem das Sehen lehrt. - Hier muss auch die Übersetzerin Hella Reese erwähnt werden, die von der Autorin ausdrücklich im Nachwort gelobt wird.
Dieses Buch ist ein Fest für die Sinne und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
Ein Zitat (von vielen) hat mir besonders gefallen und wird mir in Zukunft bei der Betrachtung von Kunst in den Sinn kommen: Man soll sich nicht damit quälen, ‘Kunst verstehen zu wollen. - Lass sie einfach auf dich wirken. Frag nicht nach ihrer Bedeutung. Schau einfach nur, und dann nimm dir davon das, was du brauchst.’ - ‘Welches Gefühl löst es in dir aus?’
Dieser Roman hat mich von Anfang an fasziniert. Er ist bunt und farbenfroh wie ein Gemälde, voller opulenter Sinneseindrücke, voller Licht und Farben - so wie man sich die Provence vorstellt.
Doch zuerst stehen wir 1957 mit einer Frau in der National Gallery in London und betrachten ein Bild. Man meint, der Prolog würde etwas verraten, aber er wirft mehr Fragen auf und macht den Roman dadurch von Anfang bis Ende rätselhaft und spannend.
Doch gehen wir zurück in der Zeit ins Jahr 1920 und reisen mit dem jungen angehenden Journalisten Joseph Adelaide von London in ein malerisches kleines Dorf, wo er den zurückgezogen lebenden Maler Édouard Tartuffe, ‘Tata’ genannt, treffen will, um einen Artikel über ihn zu schreiben. Dieser ‘Meister des Lichts’ ist ein egozentrischer alter Einsiedler und Menschenfeind, der allen Menschen unwirsch und barsch begegnet. Joseph darf auch nur bleiben, wenn er sich bereit erklärt, Modell zu sitzen. Das verlockt ihn nicht nur wegen des Artikels, sondern auch, weil die bisherigen Bilder des Malers keine Personen zeigten.
Nicht nur darüber schwebt ein Geheimnis, sondern auch über der Frage, warum der allseits gefeierte Maler, bekannt mit Cézanne und van Gogh, so plötzlich von Paris in eine abgelegene Gegend verschwunden ist. Dort kommt er nur zurecht, weil ihn seine Nichte Sylvette - Etti - wie ein unsichtbarer fürsorglicher Geist umschwebt und sich ihm und seinen Bedürfnissen völlig unterordnet: sie versorgt ihn und den ganzen Haushalt, wäscht seine Pinsel aus, ordnet die Farben und organisiert überhaupt sein ganzes Malerleben. Doch auch sie hat ein dunkles Geheimnis, das Josph durch Zufall entdeckt, obwohl er das Gesehene anfangs nicht einordnen kann. Etti und er fühlen sich voneinander angezogen und tun sich gegenseitig gut.
Ein kleineres Nebenthema sind die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges. Nicht nur Josephs Bruder Rupert hat dadurch ein schweres Trauma erlitten, sondern auch Etti kam in einem provisorischen Lazarett mit den Kriegsfolgen in Berührung. So idyllisch die Provence geschildert wird, so schockierend drastisch beschreibt die Autorin die Verletzten und Sterbenden, die Ettis Träume bevölkern.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Josephs und Ettis Perspektive erzählt und gewährt auch Einblicke in die Vergangenheit der beiden, so dass die Charaktere für den Leser mehr und mehr Tiefe und Konturen gewinnen.
Und dann gibt es eine Veränderung im Verhältnis der drei Personen zueinander und eine drastische Wendung. Mehr soll nicht verraten werden, nur so viel sei angedeutet: es geht auch um die Emanzipation und Befreiung der Frauen und ihre Rolle in der männlich dominierten Kunstwelt.
Fazit
Was für ein Debüt! Es ist nicht nur von interessanten Charakteren und einer spannenden Handlung geprägt, sondern vor allem von der unglaublich bildhaften und poetischen Sprache. Man spürt die flirrende Sommerhitze der Provence, riecht die reifen Pfirsiche und den Lavendel, aber auch die Ölfarben, man sieht den opulent gedeckten Tisch und meint, dabei zu sein - ein Gemälde in Worten, das einen zudem das Sehen lehrt. - Hier muss auch die Übersetzerin Hella Reese erwähnt werden, die von der Autorin ausdrücklich im Nachwort gelobt wird.
Dieses Buch ist ein Fest für die Sinne und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
Ein Zitat (von vielen) hat mir besonders gefallen und wird mir in Zukunft bei der Betrachtung von Kunst in den Sinn kommen: Man soll sich nicht damit quälen, ‘Kunst verstehen zu wollen. - Lass sie einfach auf dich wirken. Frag nicht nach ihrer Bedeutung. Schau einfach nur, und dann nimm dir davon das, was du brauchst.’ - ‘Welches Gefühl löst es in dir aus?’