Ein Auf und Ab von Künstlerleben

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carolaww Avatar

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Der Roman fand schon 2024 in England starke Beachtung, und die 30-jährige Autorin bekam den Waterstones Debut Fiction Price. Allerdings sind eigentlich nur die Hauptfiguren Fiktion. Deren Leben könnte aber durchaus so im Jahre 1920 nach dem Ersten Weltkrieg passiert sein.
Joseph aus England wird in die Provence zu Tartuffe eingeladen. Der große Künstler lebt abgeschieden, und Joseph - kunstinteressiert und bei einer Zeitung angestellt - möchte ihn knacken, möchte als Erster sensationelle Neuigkeiten herausfinden.
Da der Meister des Lichts schwierig ist, muss Joseph viel Geduld aufbringen. Aber er fühlt sich frei inmitten dieser lichtbezaubernden Landschaft und kann Ettie helfen, der Nichte des Malers, die als guter Geist für alles sorgt, damit der Meister Bild um Bild schaffen kann.
Die Handlung entwickelt sich von Tartuffe - wir erfahren die Hintergründe seines Einsiedlertums - zu Ettie. Und Joseph ist immer die Vermittlerfigur, der Anreiz. Er stellt mit seiner Neugierde und Anteilnahme die Weichen für eine Handlung bis zur Katastrophe.
Der vergangene Krieg mit seinen Auswirkungen spielt für Joseph und Ettie bis in das Jahr 1920 hinein eine wichtige Rolle.
Für Kunstliebhaber und -kenner ist die Beschreibung der Arbeitsweise des Künstlers sehr interessant und nachvollziehbar.
Wer sich die Mühe macht, auf die Sprache und den Schreibstil der Autorin zu achten, bemerkt, dass sie ihre Worte mit Bedacht setzt, fein gewählte und bildhafte Ausdrücke und Andeutungen benutzt. Sie gebraucht die Grammatik vielfältig, schreibt im Aktiv oder Passiv, in Wortgruppen und Fragenanhäufungen.
Die Handlung wird entwickelt, wie der Meister des Lichts seine Bilder malt, erst muss man geduldig sein, die Absicht ist noch nicht klar, dann wird man heftig überrascht, aber eins fügt sich ins andere. Man kann sagen, die Autorin malt einen Roman. Mir hat er sehr gut gefallen, auch weil man die Charaktere versteht, mit ihnen mitfühlen kann.
Lucy Steeds hat in ihren Anmerkungen gut erklärt, warum und was ihr am Roman noch wichtig war. Damit erspart sie uns Lesern das Googeln. Auch mal schön!