Ein Sommer im Licht

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marapaya Avatar

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Kunstmuseen und Galerien sind Orte voller Wunder – wie beneidenswert, wenn Künstlerinnen und Künstler Gefühle durch ihre Werke ausdrücken können und ich als Betrachterin davor stehe und vielleicht nicht die selben Gefühle, aber in jedem Fall Gefühle fühle. Und dann die Sache mit dem Licht. Wie schaffen sie es, das Licht so einzufangen, wie es manchmal nicht mal die Kameralinse vermag? Gerade beim Impressionismus beeindruckt mich das immer wieder neu.
Lucy Steeds versetzt mich mit ihrem Roman genau in diese Diskussion um das Licht. Ein Sommer in der Provence kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges, dessen Schrecken noch stark nachklingen. Der junge Engländer Joseph versucht sich von seinem Vater zu emanzipieren und als Journalist durchzuschlagen. Er hat beim Meister des Lichts, Èdouard Tartuffe, eine positive Antwort auf seine Interviewanfrage bekommen und taucht nun auf dem Hof des Malers auf. Doch statt auf seine Fragen Antworten zu erhalten, muss er dem verschrobenem Künstlergenie Modell stehen als „Junger Mann mit Orange“ und sich auf dem abgeschiedenen, einsamen Gehöft mehr mit sich selbst auseinandersetzen, als ihm lieb ist. Den Haushalt führt die Nichte des Künstlers, Ettie. Sie scheint ebenso verschroben wie ihr Onkel und doch scheint sich zwischen ihr und Joseph ganz langsam eine Vertrautheit aufzubauen, die das fragile Sommerkonstrukt unter dem Dach des Meisters zum Einsturz bringen kann.
In „The Artist“ muss man sich langsam hineinarbeiten, ähnlich wie Joseph sich in diese eingespielte Routine im Haus einfinden muss. Es ist mit Mühen verbunden, aber man wird mit Tiefe und Poesie belohnt. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Joseph und Ettie hin und her. Es ist klar, diese beiden sind die Hauptfiguren und beide drehen sich um Tartuffe, Tata, der ein bestimmender, kontrollierender und zerrissener Charakter ist und an den banalen Dingen des Alltags kein Interesse zeigt. Mir gefällt der langsame Handlungsaufbau sehr. Die vielen kleinen Geheimnisse und traumatischen Erfahrungen, die jede Figur mit sich herumträgt und die nach und nach aufgedeckt werden. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit dem Krieg und seinen Folgen bringt neben der künstlerischen und zwischenmenschlichen Ebene noch eine weitere hinein, bettet das kammerspielartige Geschehen im Haus in die historische Zeit ein und gibt dem Text eine gewisse Dringlichkeit. Die Menschen haben den Krieg überlebt, aber sie stehen immer noch vollumfänglich unter seinem Eindruck. Das ist ein starker Kontrast zu den Farben des Lichts und der romantischen Entwicklung zwischen Ettie und Joseph. Während ich die beiden immer besser kennenlerne, schwindet das Interesse am Meister des Lichts, der plötzlich nur noch wie eine Randfigur erscheint und sich keinen Millimeter nach vorn bewegt. Und auch wenn seine Figur rein fiktiv ist, so habe ich dennoch das Gefühl, dass ich „seine“ Bilder schon einmal gesehen haben muss, so plastisch erscheinen sie mir durch die Erzählung der Autorin.