Folge dem Licht
In Lucy Steeds Debütroman “The Artist“ bittet der junge Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 den seit vielen Jahren zurückgezogen in einem alten Haus in der Nähe von Saint-Auguste in der Provence lebenden berühmten Maler Edouard Tartuffe um ein Interview und erhält die Erlaubnis zu einem Besuch. Vor Ort erlebt er einige Überraschungen. Der Maler, der sich Tata nennen lässt, duldet ihn nur im Haus, wenn er ihm Modell sitzt, beantwortet jedoch keine Fragen. Die zweite Überraschung ist Sylvette genannt Ettie, die junge Nichte des Malers, die alle Pflichten einer Haushälterin erfüllt. Edouard hatte seine von einem verheirateten Mann schwangere Schwester bei sich aufgenommen und die Nichte allein aufgezogen, nachdem seine Schwester ihn wegen eines neuen Partners verlassen hatte. Tatsächlich verhält sich der Onkel jedoch nicht wie ein Ersatzvater, sondern erlaubt Sylvette kein selbstbestimmtes Leben, schon gar nicht, dass sie auch malt und eine künstlerische Karriere anstrebt. Er verhält sich wie ein Tyrann und zerstört gern mal, was Ettie liebt. Im Lauf seines mehr als dreimonatigen Aufenthalts bekommt Joseph Einblick in Edouards künstlerisches Schaffen und schreibt Artikel für seine Zeitung “The Inkling“ auch ohne ein einziges Interview. Außerdem erfährt er Etties Lebensgeschichte und ihr streng vor Tata gehütetes Geheimnis, und die beiden jungen Leute kommen sich näher.
Der Roman führt den Leser sprachgewaltig an die Welt der Malerei heran, lässt die entstehenden Gemälde mit den Mitteln der Sprache lebendig werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt er den für Frauen damals generell schwierigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben und zur Verwirklichung der eigenen Ambitionen. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Er ist allerdings ziemlich handlungsarm, weil die stimmungsvollen Ausführungen über die Entstehung von Kunstwerken doch einen sehr breiten Raum einnehmen. Ein Spannungsaufbau wird auch dadurch weitgehend verhindert, dass der im Jahr 1957 angesiedelte Prolog das zentrale Geheimnis um Ettie enthüllt. Dennoch ist dieses Buch schon wegen seiner poetischen Sprache und dem Einblick in künstlerisches Schaffen sehr empfehlenswert.
Der Roman führt den Leser sprachgewaltig an die Welt der Malerei heran, lässt die entstehenden Gemälde mit den Mitteln der Sprache lebendig werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt er den für Frauen damals generell schwierigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben und zur Verwirklichung der eigenen Ambitionen. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Er ist allerdings ziemlich handlungsarm, weil die stimmungsvollen Ausführungen über die Entstehung von Kunstwerken doch einen sehr breiten Raum einnehmen. Ein Spannungsaufbau wird auch dadurch weitgehend verhindert, dass der im Jahr 1957 angesiedelte Prolog das zentrale Geheimnis um Ettie enthüllt. Dennoch ist dieses Buch schon wegen seiner poetischen Sprache und dem Einblick in künstlerisches Schaffen sehr empfehlenswert.