Ein Buch für alle die Kunst lieben oder lieben wollen

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davina Avatar

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Die Geschichte folgt dem jungem ambitionierten und idealistischen Journalisten Joseph, der tief in die gnadenlose Kunstszene eintaucht. Er hat die Gelegenheit nach Frankreich zu reisen und dort ein Porträt über den großen Maler seiner Zeit Tartuffe zu schreiben und ihn besser kennenzulernen. Dabei geht es nicht nur um das bloße Malen von Bildern, sondern vielmehr um das komplizierte Geflecht aus Galeristen, Kritikern und welchen Preis kreative Arbeit fordern kann. 

Das Cover besticht durch eine ausdrucksstarke Ästhetik. Es fängt den Kern des Buches gut ein: Es wirkt modern und gibt trotzdem schon einen Hinweis auf den Impressionismus und auf einen warmen Sommer in Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts. Die Typografie ist klar gewählt und unterstreicht den anspruchsvollen Charakter des Inhalts. So bildet sich ein spannender Kontrast auf dem Cover, der heraussticht und das Buch sehr anziehend und ästhetisch ansprechend wirken lässt.

Steeds gelingt es hervorragend, das oft abstrakte Thema „Kunst“ greifbar zu machen. Die Umsetzung ist intelligent gewählt, da sie die Ambivalenz der Szene zeigt, einerseits die Suche nach wahrhaftigem Ausdruck, andererseits die knallharte Kommerzialisierung und wie Moral darüber verloren gehen kann und wie viel Seele in jedem Kunstwerk steckt oder dafür geopfert wurde. 

Der Schreibstil ist präzise, fast schon sezierend. Er sorgt dafür, dass der oder die Leser*in sofort in den Bann gezogen wird. Man spürt, dass die Autorin eine tiefe Fachkenntnis besitzt; sie schreibt über Kunst nicht als Laie, sondern mit einer analytischen Tiefe, die den Leser fordert, ohne ihn zu überfordern.

Die Charaktere sind keine klassischen Sympathieträger, und genau das macht sie so authentisch. Auch wenn Joseph einem ans Herz wächst, fordern seine Naivität und Ehrfurcht der oder die Leser*in oft heraus. Besonders Sylvette, die im Haus des Künstlers Tartuffe arbeitet, wirkt in ihrem Ehrgeiz und ihren Selbstzweifeln sehr menschlich.

Was mir an „The Artist“ besonders gut gefällt, ist die Schonungslosigkeit. Das Buch romantisiert das Künstlerleben nicht. Es kritisiert den Markt, dessen einziger Fokus oft auf der Marke und auf dem Werk legt. Dies fordert nicht nur den oder die Künstler*in , sondern auch seine unmittelbare Umgebung. Bereits die ersten Seiten halten den oder Leser*in gefangen und ich habe sie gerade im Rückblick nach Lektüre des Buches geliebt. Spannend fand ich, dass trotz des kühlen Schreibstils und den nicht immer sympathisch dargestellten Charakteren, ich trotzdem schnell eine Bindung zu den Schicksalen der Figuren aufzubauen konnte und ich so gefangen von dem Buch war, dass ich es innerhalb von zwei Tagen gelesen habe.

Lucy Steeds wagt mit „The Artist“ einen tiefen Blick in die Mechanismen der zeitgenössischen Kunstwelt. Es ist ein Buch, das Fragen nach Identität, Wertschöpfung und der Grenze zwischen Genie, Wahnsinn und Inszenierung aufwirft. Damit ist „The Artist“ ein intellektuelles Vergnügen für alle Kunstbegeisterte und solche, die hinter die Kulissen des Kulturbetriebs blicken wollen. Es ist ein Roman über die Macht der Ästhetik und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Psyche und hat damit das Potenzial zu einem absoluten Lieblingsbuch zu werden. Ein großes Dankeschön an die unbekannte Mitarbeiterin bei Waterstones, die es mir ans Herz gelegt hat.


Dieses Buch ist ideal für:

• Kunstinteressierte, die wissen wollen, wie der „Hype“ um ein Werk entsteht.

• Leser von anspruchsvoller Gegenwartsliteratur, die einen kühlen, präzisen Stil schätzen.