Kunst in all ihren Facetten und Farben

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venenorojo Avatar

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Bereits das Cover mit seinem Lavendelfeld lässt die Leser erahnen, dass die literarische Reise in den Süden Frankreichs geht. Joseph Adelaide, ein britischer Journalist, der über Kunst schreibt, reist in den 20er Jahren zu dem Künstler Edouard "Tata" Tartuffe in ein Bauernhaus in der Provence. Dieser lebt dort wie ein Einsiedler mit seiner Nichte Ettie, die ihm nicht nur den Haushalt, sondern eigentlich auch das gesamte Leben, organisiert und regelt. Während Tata der angesehene Künstler ist, sorgt sie für sein Arbeitsmaterial, die Motive als auch für die gesamte Kommunikation. Sie ist leise, effektiv und agiert nahezu unsichtbar im Hintergrund, während Tata all die Eigenschaften hervorbringt, die man von einem exzentrischen Künstler erwartet. Er ist mürrisch, manchmal fast cholerisch, zurückgezogen, will seine Ruhe. Josephs Eintreffen verändert alles, vor allem Ettie und ihre Einstellung zum Leben.
Dieser Roman berührt nicht nur Kunstliebhaber. Er zeigt emotionale Abgründe, tiefe Einschnitte aber auch die Schönheit dieser Welt. Lucy Steeds verpackt die Geschichten ihrer Protagonisten in Wörter, die den Leser mit all den Sinnen in die Provence führen. Man riecht den Lavendel und die reifen Früchte, man hört die Zikaden und spürt den Mistral auf der Haut. Man liest die Geschichte abwechselnd aus Etties und Josephs Sicht, was es für mich nur noch interessanter macht.
Ein tolles Debüt von Lucy Steeds, das ich absolut weiterempfehlen kann.