Kunst und die Suche nach sich selbst

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haruka Avatar

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Dieses Buch, dass sich in der französischen Provence im Jahr nach des Ersten Weltkrieges abspielt, hat mir sehr gefallen. Durch die bildhaften und atmosphärischen Beschreibungen war es ein Leichtes ins Geschehen einzutauchen. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst durch das Dorf zu laufen, die Hitze zu spüren und die Stimmung dieser Nachkriegszeit mitzuerleben. Auch der Perspektivenwechsel zwischen Joseph und Sylvette (Ettie) hat mir gut gefallen, weil man dadurch zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel auf dieselben Ereignisse bekommt.
Joseph ist ein junger, noch unerfahrener Journalist. Es war spannend zu beobachten, wie sehr er den Künstler Tartuffe bewundert, obwohl dieser alles andere als ein angenehmer Mensch ist. Denn dieser ist nicht einfach nur exzentrisch, wie man es vielleicht von Künstlerfiguren erwartet, sondern zeigt deutlich psychopathische bzw. stark verstörende Züge.
Besonders eindrücklich fand ich einige Szenen, in denen gesellschaftliche Themen angesprochen werden. Eine Diskussion über Frauen in der Kunst ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben, weil sie zeigt, wie schnell unbequeme Themen abgewürgt werden, statt sich ehrlich damit auseinanderzusetzen.
Überhaupt steckt in diesem Buch viel Gefühl, besonders in den Momenten rund um Ettie. Sie lebt isoliert im Haus ihres Onkels und hat gelernt, sich wie ein stiller Schatten zu verhalten. So sehr, dass sie fast vergessen hat, wer sie selbst eigentlich ist. Ihre Situation von Anpassung und Zurückhaltung steht sinnbildlich für viele Themen, die sich durch das Buch ziehen.
Wichtig zu wissen ist, dass man hier keine klassische Liebesgeschichte erwarten sollte. Für mich steht vielmehr die persönliche Entwicklung der Figuren im Mittelpunkt. Ebenso wie Kunst als Ausdrucksform, seelische Narben, die der Krieg hinterlässt, und Beziehungen,die von Kontrolle geprägt sind. Diese Themen und die stimmungsvolle Erzählung haben das Buch für mich besonders gemacht und dafür gesorgt, dass es mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt hat.