Verbunden durch das letzte Festmahl

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cazymonkey Avatar

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Mein Interesse für Kunst ist groß und auch selbst male ich seit der Kindheit wahnsinnig gerne, inklusive eines jahrelangen Ölmalfarbenkurs bei einem lokal bekannten Künstler als Jungerwachsene. Dabei habe ich vorallem genossen den Maler selbst zu beobachten und eins seiner Werke ziert nun mehr eine Wand daheim. Deshalb konnte ich sehr gut die Intentionen des Hauptprotagonisten Joseph nachvollziehen, der unerwartet dem Schaffen von Edouard Tartuffe, kurz Tata, folgen darf, um einen Artikel darüber zu schreiben. Welche tragende Rolle die Nichte Ettie dabei vielleicht spielen könnte, zeichnet sich Punkt für Strich ab...

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt: den Maler, den Autor, die Fälscherin und die Künstlerin. Dabei wechselt die Erzählsicht zwischen Ettie und Joseph, hat den Haupthandlungsstrang in der französischen Provence 1920 angesetzt und den Prolog sowie Epilog in London 1957.
Erst mit dem letzten Pinselstrich, den letzten Seiten ist das Meisterwerk zu erkennen und die Geschichte ist in den Einzelheiten verständlich. Der Schreibstil ist wie das Thema im Buch sehr malerisch sowie bildhaft. Die Autorin Lucy Steeds bietet der Umgebung, dem Essen der Stilleben soviel Platz und Farbe, sodass man die heiße Brise der Sommerluft spüren, die saftigen Orangen schmecken und die Kräuter der Provence riechen kann. Es gibt bei vielen Künstlern eine gewisse Aura, die sie umgibt und ihr Handwerk nach außen hin sichtbar macht. Das hat Steeds bei Tata für meine Vorstellung ebenso recht gut einfangen können. Seinen Kontrollzwang, Etties Zerrissenheit und Josephs Zurückhaltung waren charakterlich gut beschrieben, obwohl es den LeserInnen überlassen bleibt, diese Schlüsse selbst zu ziehen. Ettie und Tata sind aneinander gefesselt im positiven und negativen, in Liebe und Hass, in künstlerischen Gemeinsamkeit und dem verheerenden Unterschied des Geschlechts! Dabei war ein sehr erhellender Gedanke für mich, dass Ettie vor der Dunkelheit flieht und Tata stets das Licht sucht.
Obwohl es sich beim Großteil des Inhalts um Fiktion handelt, gibt es im Nachwort einige Ankerpunkte aus der Realität, und gesamt bleibt die Geschichte Beispiel für die Befreiung aus der damaligen Ungerechtigkeit und dem Versäumnis von Anerkennung für Frauen im Schatten großer Männer, wie sie auch heute leider noch zu finden sind!

Fazit: Das Buch konnte mich nicht sofort für sich gewinnen, da ich mich vorallem an die langsamen Passagen gewöhnen musste, aber es lohnt sich definitiv dran zu bleiben!