Western-Setting, Rollenspiele und Selbstfindung

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Das Cover fasst meiner Meinung nach schon einen zentralen Teil des Buchs sehr gut zusammen: es geht (hauptsächlich) um die Beziehung von Esra und Noah, die in einer Western-Vergnügungsstadt Teil einer beliebten Show sind, bei der die Protagonistin Esra von einem Banditen (Noah) auf seinem Pferd entführt wird. In diesem Setting wird ziemlich gut der Trope "Haters-to-Lovers" umgesetzt, was mir an und für sich sehr gut gefällt. Esra rutscht nur überraschenderweise in die Rolle und muss nicht nur mit körperlichen Beschwerden dabei kämpfen (und diese geheim halten), sondern auch mit dem kurzangebundenen, unfreundlichen Noah, der Esra spüren lässt, wie wenig er von ihr hält. Der Roman ist im Perspektivenwechsel geschrieben und bietet damit sehr viel Raum für sowohl Esras als auch Noahs Gedankengänge, Gefühle, Selbstzweifel und all den Ballast aus der Vergangenheit, den beide mit sich tragen. Über Esra erfährt man dabei wesentlich mehr Details, weswegen man sie als Leser besser kennenlernt und sie (meist) besser nachvollziehen kann.

Besonders schön sind auch die Kapitelaufmachungen, die einzelne Attraktionen oder Charaktere von Bravetown vorstellen und den Leser tief in das Setting eintauchen lassen.

Bis zur Hälfte des Buchs hätte ich vmtl auch 4-5 Sterne vergeben, weil meine einzigen Kritikpunkte bis dahin wären, dass mir Esra in manchen Sätzen und Handlungen zu unglaubwürdig ist, bzw sich nicht alles zu ihrem Charakter stimmig liest. Als Zweites würd ich gern anmerken, dass in der ersten Hälfte des Buches schon auch Tippfehler drin sind bzw auch zweimal ein Wort fehlt. Als Leser reißt mich persönlich sowas raus.

Aber etwa ab der Hälfte kippt für mich das Buch stark. Leidenschaft und Spice schön und gut, aber es nimmt zu viel Platz ein. Ob man außerdem den Detailgrad in den Szenen mag, ist Geschmackssache, meiner ist es nicht. Die Sprache war in diesen Szenen auch nicht mehr mein Fall und ich habe sehr viel überflogen. Ich hätte mir in der zweiten Hälfte des Buchs eigentlich noch mehr Handlung gewünscht, aber manches geht zum Schluss unter oder wird unglaubwürdig. Zum Beispiel, warum Esra überhaupt in Bravetowm bleiben darf, nach ihren Fehltritten und nachdem ihr Ruf beim Publikum auch nicht der Beste ist.

Mein Fazit:
Das Setting begeistert mich und dass man v.a. bei Esra aber auch bei Noah eine Persönlichkeitsentwicklung über den Roman miterlebt und diese glaubwürdig ist, gefällt mir sehr gut.
Die Geschichte selbst war die erste Hälfte gut zu lesen, und hatte für mich eher Schönheitsfehler aufzuweisen.
Dass der zweite Teil dann so extrem auf die leidenschaftlichen Momente eingehen muss und das zu Lasten der Geschichte, aus der man noch viel mehr hätte herausholen können, find ich wirklich schade.

Am Ende des Buches gibt es übrigens einen Verweis darauf, in welchen Kapiteln es "hoch hergeht". Ich finde, wenn man es eh schon alles nennt, dann muss es an den Anfang und genauso behandelt werden wie die Triggerwarnungen.