Düster

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marie.hehle Avatar

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Ich habe selten eine Leseprobe gelesen, die mich so schnell gepackt hat.

Schon der Prolog von The Crane and the Nightjar zieht einen in eine düstere, flirrende Welt voller Geheimnisse. Die Idee der „Nebler“ –Magie, die vererbt oder verkauft werden kann und dabei ein Stück Seele kostet ist nicht nur kreativ, sondern auch unheimlich konsequent durchdacht. Allein die Nebenwirkungen der Magie haben mir eine Gänsehaut beschert.

Und dann sind da Crane und Zara.

Crane ist kühl, kontrolliert, sarkastisch – und doch blitzen immer wieder Risse in seiner Fassade auf. Seine Szenen haben eine gefährliche Spannung, besonders im Zusammenspiel mit Zara. Zara wiederum ist klug, scharfzüngig und absolut ebenbürtig. Ihr Schlagabtausch am Kartentisch gehört für mich zu den stärksten Momenten der Leseprobe. Diese Dynamik! Dieses Knistern! Man merkt sofort: Hier treffen zwei Menschen aufeinander, die sich nichts schenken und genau das macht es so gut.

Was ich besonders liebe: Die Autorin schreibt atmosphärisch dicht, ohne überladen zu wirken. Man riecht das Brackwasser, spürt den Nebel, hört das Klimpern der Dega-Münzen. Die Welt wirkt lebendig und roh. Gleichzeitig bekommen die Figuren Tiefe, ohne dass man mit Informationen überschüttet wird.