Ein Buch, das Eindruck hinterlässt, und den Wunsch nach mehr

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lethaldoseofcute Avatar

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Man weiß, dass es ein gutes Buch war, wenn der größte Kritikpunkt ist, nicht mehr davon bekommen zu haben.

The Crane and the Nightjar überzeugt in vielen Bereichen durch Atmosphäre, und die ist, gelinde gesagt, düster. Wir bekommen ein Magiesystem, das ihre Anwender aufzehrt, bis es sie wortwörtlich zerreißt. Dazu eine in Nebel gehüllte Welt, die von Grausamkeit trieft. Und hier sind wir bei dem ersten Kritikpunkt: Darüber will ich noch so viel mehr lesen. Stattdessen wurde es in ein 400-Seiten-Buch gequetscht. Bin ich trotzdem begeistert? Ja. Hoffe ich, dass Band 2 das besser macht? Auch ja.

Abgesehen von dem Worldbuilding gab es noch andere Elemente im Buch. Handlung zum Beispiel, und die war schnell, actiongeladen und unvorhersehbar. Wir finden uns in den Kerkern eines grausamen Königs, der vermeintliche und reale Diebe für den Preis der Freiheit gegeneinander in grausamen Wettbewerben antreten lässt. Auch hier hätte ich mir gewünscht das Tempo ab und an etwas rauszunehmen, um die einzelnen Szenen mehr zu genießen. Gerade in den Zeiten zwischen den Prüfungen wünschte ich mir die Charaktere noch besser kennenzulernen. Die Protagonistin Zara ist großartig. Die perfekte Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, Vielschichtigkeit und Nahbarkeit. Crane war dann eher ein Wechselbad der Gefühle, aber mehr zu sagen grenzt an Spoiler. Und die liebenswerten Nebencharaktere haben das Potential einer Found-Family geboten. Aber auch hier. Nur 400 Seiten.

Fazit: The Crane and the Nightjar ist ein intensiver, atmosphärisch dichter Fantasyroman, der vor allem durch seine düstere Welt und eine starke Protagonistin überzeugt. Trotz kleinerer Schwächen im Pacing und eines Worldbuildings, das mehr Raum verdient hätte, bleibt vor allem das Gefühl, dass hier noch viel mehr Potenzial schlummert. Genau das macht das Buch so reizvoll – es hinterlässt nicht nur Eindruck, sondern auch den Wunsch nach mehr. Wenn die Fortsetzung sich die Zeit nimmt, diese Stärken weiter auszubauen, könnte aus einer sehr guten Geschichte eine herausragende Reihe werden.