Spannender Auftakt

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The Darkest Academy erzeugte bei mir ein dezentes Potterversum-Echo, das sich vor allem in der Beschreibung von Nocthaven äußert: das zauberhafte, winterliche Dorf in Laufweite zur Akademie, das cozy Café mit den selbstlaufenden Tischen, der pittoreske Buchladen. Dazu kommen der unheimliche Black Veil, die große Halle, die Türme und Gänge und natürlich auch die verschiedenen Räumlichkeiten der Akademie, etwa die Gemeinschaftsräume oder Ezras Büro. Dann ist da Lucinda (Luci), die Hauptprotagonistin, die als elternlose Außenseiterin zu ihrer eigenen Überraschung plötzlich und ohne Vorwarnung nach Vorgoth kommt, bar jeglicher finanzieller Mittel. Natürlich gibt es einen Fonds für solche Fälle, und so trägt auch Luci bald die schicke, typische Anime-Schuluniform der Ersttrimester – inklusive roter Schleife.

Hat mich das alles gestört? Im Grunde nicht. Die Story ist zwar klassisch, aber dennoch solide gebaut, das Worldbuilding ist plausibel, und die Geschichte entwickelt, sobald Luci in Vorgoth ankommt, schnell einen gewissen Sog.

Eine Sache hat mich allerdings irritiert: Lucis Alter. Zu Beginn des Buches wird mehrfach erwähnt, dass sie erst ab ihrem 21. Geburtstag nach Vorgoth darf, weil ab diesem Alter ein Seelenpakt mit einem Familiar möglich ist. Später geht es dann um Lucindas achtjähriges Ich, das den Tod ihrer Eltern miterleben musste und zehn Jahre später noch immer unter diesem Trauma leidet. Demnach wäre sie zu Beginn der Geschichte 18. Vielleicht habe ich hier auch etwas fehlinterpretiert oder eine Erklärung überlesen – beim Lesen hat mich dieser zeitliche Widerspruch jedenfalls irritiert.

Das Spice-Level ist deutlich, und die expliziten Szenen sind relativ gut geschrieben. Teilweise wirken sie allerdings etwas erzwungen und führen ein Selbstbewusstsein vor, das zu den Selbstzweifeln in anderen Szenen nicht wirklich passt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Da es eine Akademie ist, lassen auch die ersten Prüfungen nicht lange auf sich warten. Hier wird – neben dem Spice-Level – außerdem deutlich, warum es „the darkest“ heißt: Der Tod von Studierenden ist Teil der Auslese. Schwäche sei Verrat an der Rebellion der unterdrückten Hexen gegen die herrschenden Magier. Damit ist das System zunächst grob umrissen. Allerdings wird in diesem ersten Band – zwei sollen noch folgen – nur wenig über die Magier und ihr Zentrum, das Chrystal Heart, offenbart. Dass auch die Rebellion scheinbar keine völlig weiße Weste hat, zeigt sich bereits an ihren Ausbildungsmethoden, die Luci zunächst höchstens irritieren. Immerhin ist sie gerade ziemlich mit ihrem eigenen Gefühlschaos beschäftigt.

Doch spätestens in der finalen Prüfung, als ein gefangener Magier sie um Gnade bittet und sagt, dass Magier wie Hexen gleichermaßen benutzt würden, beginnt sie, das System zu hinterfragen. Nein, eigentlich macht sie das bereits vorher: Als sie bemerkt, dass Ezra, ihr Professor und Liebhaber, ihr nicht die Wahrheit über den Tod ihrer Eltern gesagt hat, beginnt Luci sich von ihm zu distanzieren und versucht auf eigene Faust mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden. Und als es richtig spannend wird und Luci scheinbar erneut einen dramatischen Verlust verkraften muss, ist das Buch zu Ende.

Für meinen Geschmack kam das zu abrupt. Die Szene endet quasi mitten im Kampf. Es gibt keinen Abschluss des Trimesters, keine Ruhe nach dem Sturm mit Aussicht auf die nächste Quest, kein kurzes Innehalten der Protagonistin oder Ähnliches. Ich hätte mir hier wenigstens einen Moment des Durchatmens gewünscht. Versöhnlich stimmt mich zumindest, dass der Verlag die Veröffentlichung von Band 2 bereits für Oktober 2026 angekündigt hat.