Messerscharf angekündigt, stumpf geliefert

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vasensa Avatar

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Optisch macht „The Exes“ schon was her: Das Cover erinnert auf den ersten Blick an ein Retro-Filmplakat, und auch der Klappentext klingt erstmal vielversprechend. Genretechnisch zwischen Roman und Thriller angesiedelt, erzählt Darlington die Geschichte von Natalie, die mit James endlich den richtigen Partner gefunden zu haben scheint. Doch ihre Vergangenheit wirft dunkle Schatten: Alle drei ihrer Ex-Freunde sind tot, und jedes Mal war Natalie zur Zeit ihres Todes in der Nähe – ohne sich jedoch an die genauen Geschehnisse erinnern zu können. Natalie selbst ist überzeugt davon, dass etwas Böses in ihr schlummert, und hält sich durchaus für fähig, diese Taten begangen zu haben. Gemeinsam mit Natalie entfaltet sich dem Leser Stück für Stück die Wahrheit hinter den vergangenen und aktuellen Ereignissen.

Diese Grundidee verspricht Spannung und psychologische Tiefe, wird im Verlauf des Romans jedoch leider nicht zufriedenstellend eingelöst. Mit knapp 460 Seiten ist The Exes deutlich zu lang geraten. Vor allem in der zweiten Hälfte zieht sich die Handlung spürbar, ohne die Spannung aufrechtzuerhalten. Trotz mehrerer Plottwists konnte mich die Geschichte zunehmend weniger fesseln; nicht zuletzt, weil viele Wendungen unrealistisch und unglaubwürdig wirken. Das Motiv „Nichts ist so, wie es scheint“, insbesondere in Bezug auf die Charaktere, wird überstrapaziert und verliert dadurch seine Wirkung.
Am Ende war ich ehrlich gesagt froh, das Buch beendet zu haben. Leserinnen und Leser, die bei Logik und Sinnhaftigkeit ein Auge zudrücken können, könnten an diesem als „messerscharf“ beworbenen Thriller dennoch Gefallen finden. Wer jedoch eine konstant spannende und schlüssige Geschichte erwartet, dürfte eher enttäuscht werden.