Nichts ist so wie es scheint, aber alles so wie man meinen könnte

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dierotefuchsin Avatar

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In Leodora Darlingtons Debüt „The Exes“ ist nichts wirklich wie es scheint und doch alles genauso wie man meinen könnte.

Na, verwirrt von meinem Einleitungssatz? Das war ich im Buch des Öfteren auch, aber auf die gute Art und Weise. Denn erst mal blickt man so gar nicht richtig durch was hier eigentlich passiert. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus Natalies Sicht und das gleich auf mehreren Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln. Während wir der „jetzt“ Natalie zu Beginn folgen, wie sie einen Ehekrach hat und teilweise doch recht absurde Gedankensprünge vollführt, begleiten wir die „Vergangenheits“ Natalie dabei wie sie ihren Mr. Right sucht und findet und die „noch weiter in der Vergangeheits“ Natalie wie das so damals abgelaufen ist mit ihren Ex Freunden. Denn der Teil ist besonders spannend, jedes Mal, wenn Natalie dachte sie hat den Richtigen gefunden ist der einfach gestorben und Natalie war zufälligerweise in der Nähe.

Darlingtons Roman überzeugt mit seiner Protagonistin, den Nebenfiguren und den diversen Zeitebenen. Das Buch weiß mit seiner teilweise verwirrenden Art zu überzeugen und so manche Wendung habe ich nicht kommen sehen (manche schon, aber das ist okay). Klar, vieles wirkt ein wenig konstruiert und so viele Zufälle wie hier aneinander gereiht passieren kann es ja eigentlich schon fast nicht geben, oder? Oder?? Denn das ist die Frage! Natürlich kann es sehr viele seltsame Zufälle geben und manche sind dabei gar nicht so zufällig wie zunächst angenommen.
Beim Lesen darf man natürlich auch nicht vergessen, dass wir hier einen Unterhaltungs-Thriller haben und keinen Tatsachenbericht.

Es geht nicht einfach nur um eine junge Frau die ihren Platz sucht, es geht um wesentlich mehr. Darlington greift durch ihre schwarze Protagonsitin wichtige soziale Themen auf. Unter anderem die Fetischisierung schwarzer Frauen (zumindest habe ich das so empfunden), weibliche Rache und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher sozialer Schichten. „The Exes“ ist ein zutiefst weiblicher Roman über Rache und Feminismus ohne sich zu bemühen seine Protagonistin als strahlende, makellose Heldin zu verkaufen. Das wäre ja auch etwas zu langweilig und so ist Natalie alles andere als perfekt. Ich habe beim Hören auf jeden Fall mit ihr Gelitten.

Die Vertonung ist gut gelungen. Sandrine Mittelstädt, Viola Müller und Benito Bause verleihen den jeweiligen Figuren gekonnt Leben. Gerade Natalie wirkte mit ihrer fast schon lakonischen Art zu erzählen großartig nahbar auf mich. Die Vertonung verleiht ihr einfach noch ein Stück weit mehr Charakter als es im Buch schon herausgearbeitet ist, was ich hier wirklich passend finde.

Fazit: Alles in allem ein spannender und feministischer Thriller der nicht zu 100% realistisch wirkt, aber den Anspruch habe ich bei so etwas auch gar nicht. Etwas für jeden der spannende Unterhaltung mit weiblicher Hauptbesetzung mag und gerne beim Hören/Lesen mit rätselt, was zur Hölle hier denn nun dahinter steckt.