Charmante Idee, die mich nicht ganz erreicht hat

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Die Idee hat mich sofort angesprochen: eine weibliche Ghostbusting-Agentur, ein altes Herrenhaus mit drei ruhelosen Brüdern und dazu ein bisschen Liebeschaos. Das klingt nach Tempo, Witz und vielleicht sogar ein bisschen Grusel.

Im Mittelpunkt steht Melody, die – wie alle Frauen in ihrer Familie – Geister sehen kann. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Marina macht sie aus diesem Talent ein Geschäft. Der erste große Auftrag führt sie in ein Herrenhaus, dessen Geister nicht einfach nur herumspuken, sondern an einer alten Tragödie festhängen. Das hätte richtig atmosphärisch werden können.

Der Roman wird aus Melodys Perspektive erzählt. Das schafft zwar Nähe, sorgt aber auch dafür, dass sich vieles stark auf sie fokussiert statt auch einmal auf die anderen Figuren. Die wirken auf mich einfach nur platziert. Der Humor ist ebenfalls spürbar zu gewollt und trifft zu dem nicht immer ins Schwarze. Manche Szenen sind charmant, andere ziehen sich arg in die Länge.

Am meisten interessiert hat mich tatsächlich die Geschichte der drei Geisterbrüder. Da steckt Emotion drin, da gibt es ein Geheimnis, das nach und nach freigelegt wird. Diese Passagen haben für mich am besten funktioniert. Der paranormale Aspekt bleibt insgesamt eher gemütlich als unheimlich. So richtig Gänsehaut bekommt man nicht.

Weniger überzeugend fand ich die romantischen Verwicklungen. Das angedeutete Liebesdreieck bleibt für meinen Geschmack zu oberflächlich. Weder der Ex noch der Journalist gewinnen genug Profil, um echte Spannung zu erzeugen. Deutlich sympathischer war mir das Kernteam der Agentur. Marina und vor allem Artie bringen eine angenehme Bodenständigkeit mit, die der Geschichte gut tut.

Ich muss ehrlich sagen: So richtig mitgerissen hat mich das Buch nicht. Die Grundidee hat Potenzial, aber Tempo und Emotion bleiben oft hinter dem zurück, was möglich gewesen wäre. Trotzdem hat die Geschichte einen leichten, unkomplizierten Ton und dürfte Leser:innen ansprechen, die Lust auf eine seichte Paranormal-Romance haben.

Für mich war es eher eine nette Geisterjagd als ein echtes Spukabenteuer. Aber vielleicht entfaltet sich das volle Potenzial ja erst in den Folgebänden.