Geisterjagd mit Herzklopfen

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coni90 Avatar

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Mit "The Girls Ghostbusting Agency" entführt Josie Silver in eine Geschichte, die sich von der ersten Seite an angenehm leicht weglesen lässt. Der Schreibstil ist warm, flüssig und hat mich so vereinnahmt, dass ich eigentlich die ganze Zeit weiterlesen wollte.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Melody Bittersweet, die Geister sehen kann und gemeinsam mit ihrem Team eine eigene Geister-Agentur ins Leben ruft, um sich von ihrer Familie zu emanzipieren, die seit Jahren im Geister-Geschäft aktiv ist. Mit Melody und ihren Entscheidungen musste ich erst warm werden (und habe manches bis zuletzt nicht ganz nachvollziehen können), aber die Nebenfiguren sind durchweg warmherzig angelegt. Melodys beste Freundin Marina ist eine wunderbare Stütze und herrlich direkt, und Artie, der Assistent – ach, Artie! Er ist wie die menschliche Version einer schüchternen Dogge: etwas tapsig, unglaublich loyal und einfach zum Liebhaben. Wirklich herrlich. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Melodys Großmutter! Schräge Aktionen, absolute Überzeugung von der eigenen Unschuld und dabei einfach unfassbar liebenswert. Sie sorgte für viele humorvolle Momente und hat mir mehr als einmal ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert (und mich dabei ein bisschen an die Gran aus der Stephanie Plum-Reihe erinnert).

Das Buch ist humorvoll, ich musste oft schmunzeln oder leise giggeln – der ganz große Brüller blieb zwar aus, aber das passte auch zur insgesamt sanften Geschichte. Für mich fühlte sich alles eher charmant als laut an.
Die Handlung kam jedoch recht langsam in Gang. Spannung war zwar vorhanden, aber eher unterschwellig, und manches war für mich vorhersehbar. Emotional gepackt hat mich der Fall, an dem Melody arbeitet, tatsächlich erst ganz zum Schluss.

Was mich zudem etwas gestört hat, war die Logik rund um die Geister. Manche können ein Haus nicht verlassen, andere tauchen plötzlich im Büro oder in Melodys Zuhause auf. Mal können sie abgeschlossene Dinge nicht durchsuchen, dann wieder scheinbar mühelos durch Wände gehen. Hier hätte ich mir deutlich mehr Erklärung und Klarheit gewünscht. Ein stärker ausgearbeiteter Überbau hätte der Geschichte gutgetan und für mehr Stimmigkeit gesorgt.

Mit Leo Dark (Melodys Exfreund) und dem Journalisten Fletcher Gunn gab es gleich zwei potenzielle Love Interests. Anfangs konnte ich die angebliche Anziehung zu beiden überhaupt nicht fühlen – ich fand sie ehrlich gesagt eher unsympathisch. Doch mit der Zeit entwickelte sich besonders Fletcher in eine Richtung, die mir Hoffnung machte und die ich nachvollziehen konnte. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das in den nächsten beiden Romanen weiterentwickeln wird!

Wer mit Serien wie Scooby-Doo oder Filmen wie Ghostbusters aufgewachsen ist, wird einige Anspielungen entdecken und sicher schmunzeln. Diese kleinen Referenzen verliehen dem Ganzen einen charmanten, nostalgischen Touch.

Fazit: "The Girls Ghostbusting Agency" ist kein hochspannender Pageturner und kein perfekt durchdachter Urban-Fantasy-Roman – aber ein unglaublich angenehmes, warmherziges und charmantes Wohlfühlbuch.
Es hätte hier und da etwas mehr Drive und eine klarere Geister-Logik vertragen können. Doch die liebenswerten Figuren, der sanfte Humor und das schöne Schreibgefühl machen vieles wett. Ein wirklich nettes Buch für zwischendurch und ich bin zufrieden aus der Geschichte gegangen.